Bogenjagd - eine künftige Option für die Stadtjagd?

Dieser Frage gingen wir in der letzten Zeit nach und luden Vertreter des Deutschen Bogenjagdverbandes zu einem Seminar im Stadtjäger Kurs ein.

Erstellt am 07.09.2020

Bogenjagd - eine künftige Option für die Stadtjagd?

Dieser Frage gingen wir in der letzten Zeit nach und luden Vertreter des Deutschen Bogenjagdverbandes zu einem Seminar im Stadtjäger Kurs ein.

Die Frage kommt nicht aus einer archaischen Einstellung zu dieser alten Jagdart sondern aus der Erkenntnis, dass es in Städten und ihren Gebäuden oder in Stallungen Situation geben kann in denen der Gebrauch einer Schusswaffe nicht möglich ist, sei es wegen einer möglichen Gefährdung des Hinterlandes oder durch Querschläger oder allein wegen des Knalls, der auch nicht mit Schalldämpfer und subsonic Geschossen vollständig verhindert werden kann.

Aus rechtlicher Sicht ist das Schießen mit Pfeilen auf Wildtiere verboten und es werden verschiedene Untersuchungen notwendig sein, um eine Gesetzesänderung zu erreichen. In Brandenburg (Stahnsdorf) erhielt ein Antrag für den Einsatz von Jagdbögen zur Bejagung von Schwarzwild eine Absage, da nach Angaben des Ministeriums keine Begleitung durch eine wissenschaftliche Einrichtung gefunden wurde. Dies war jedoch die wichtigste Voraussetzung für die Genehmigung. „Vermutlich hätte die mediale Berichterstattung einige Interessenten abgeschreckt“, so nachzulesen in https://www.jagderleben.de/.

Im Fall der Stadtjagd scheint die Bogenjagd aus Sicherheitsbegründung eine Option darzustellen, wenn alle anderen Voraussetzungen für den Schusswaffeneinsatz, die das Gesetz vorschreibt erfüllt sind, dieser aber wegen fehlender Sicherheit ausscheidet.

Der Deutsche Bogenjagdverband (DBJV) setzt sich natürlich für die Bogenjagd ganz generell ein, die in vielen Ländern Europas zugelassen ist (in Deutschland seit 1976 verboten) und so war der Vorsitzende des DBJV Jan „Luis“ Riedel gerne bereit, mit einigen Mitgliedern bei uns im Seminar vorbeizuschauen. Ganz „zufällig“ war auch Klaus Racz gekommen, der den Stadtjägerkurs vor einiger Zeit besucht und inzwischen auch die Ausbildung zur Bogenjagd erfolgreich abgelegt hatte.

Zunächst referierte Jan Riedel über die Bogenjagd wobei die Ausbildung des Jägers, das Arbeitsgerät Jagdbogen, Pfeil und Pfeilspitzen und die Wundballistik im Vordergrund standen.

Als Modelle wo die Bogenjagd heute erfolgreich im urbanen Bereich praktiziert wird berichtete Jan Riedel von der Bejagung von Wildschweinen in Madrid und Nutrias in Hagenau (F).

Im Anschluss daran hatten die Teilnehmer die Möglichkeit den Jagdbogen zu erproben wobei sich die Ergebnisse bei guter Anleitung durch die Mitglieder des DBJV bei einer Schussdistanz von ca. 10 m durchaus sehen lassen konnten.

Zum jetzigen Zeitpunkt werden wir nicht versuchen, in der Durchführungsverordnung zur Novelle des JWMG die Bogenjagd zu regeln. Wir sehen aber durchaus den Einsatz der Bogenjagd im urbanen und befriedeten Bereich unter bestimmten Umständen für geeignet und gegenüber dem Einsatz einer Schusswaffe vorzuziehen. Entsprechenden Ausnahmegenehmigungen oder Versuchsprojekten stehen wir offen gegenüber. Wir werden daher die Entwicklung positiv begleiten und die Position des MLR und des LJV aufmerksam beobachten.

Text und Fotos Hans-Ulrich Endreß

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