RHM - Anschussseminar

Im schönen Schwarzwald, am wunderbaren Schluchsee, versammelten sich angehenden Revierhegemeister und andere interessierte Jäger zum beliebten Anschussseminar. Sogar Kollegen aus der Schweiz kamen angereist, um dem vielversprechenden Vortrag von Hubert Kapp und Stefan Mayer beizuwohnen.

Erstellt am 18.07.2019

In einer lockeren Begrüßungsrunde wurden die Anwesenden zunächst nach ihren Beweggründen für die doch teilweise sehr lange Anfahrt gefragt. Die Motivation war durch die Bank bei allen Teilnehmern klar. Die Schulung an der Schweißhundestation Südschwarzwald hat sich unter Kennern als großartig herumgesprochen. Die beiden Vortragenden haben das Seminar in einen theoretischen Teil am Vormittag und einen praktischen am Nachmittag aufgesplittert. Es wurde betont, dass es sich bei dem Seminar nicht um ein Nachsuchesseminar mit Hund handelt sondern, dass es dazu dient, dem Jäger Informationen über die Wirkung des Geschosses geben und Hinweise über mögliche Fluchtstrecken und damit über die Schwere einer Nachsuche geben soll. Dies hat Auswirkungen auf die Auswahl des Nachsuchegespannes, besonders auf das notwendige Können des zur Nachsuche eingesetzten Hundes. Hubert begann mit dem Unterricht und übergab dann an Stefan, um ins Revier zu gehen, um die Anschüsse vorzubereiten.

Der Vortrag war spannend gegliedert und aus pädagogischer Sicht sehr gut aufgebaut. Stefan hat als erste Ansage wortwörtlich in den Raum geworfen, allen Beteiligten alte Zöpfe abzuschneiden. Damit meinte er, gewisse Standpunkte und Ansichten, die heute noch am Stammtisch diskutiert werden, völlig abzulegen. Denn diese seien weder aktuell, noch korrekt. Stefan weiß wovon er spricht. Zusammen mit Hubert kann er auf eine lange Erfahrung und Untersuchungsreihe zurückblicken - über 4.500 nachsuchen in den letzten Jahren; und darunter versteht er wirkliche Nachsuchen und keine kurzen Totsuchen. Regelmäßig veröffentlichen beide aktuelle Untersuchungen in bekannten Jagdzeitschriften und auch im Buchformat.

Es fallen über den gesamten Vormittag etliche Zöpfe, wie z.B. die stetige Diskussion über das beste, das richtige und das erfolgreichste Kaliber. Oder die richtige Trägerstellung des Rehwildes bei der Schussabgabe. Doch nicht nur Zöpfe fallen. Auch harsche Worte bezüglich Fehlverhalten bzw. Fehlentscheidungen in Jagdsituationen. Ganz intensiv wurde auf den Kugelfang und die falschen Einschätzungen in der Entferngsbestimmung eingegangen. Der Hintergrund des angesprochenen Wildes muss zwingend mit überprüft werden, bevor der Schuss fällt. Anhand von Videos wurde demonstriert wie sich Geschosse beim Ausschuss und beim Auftritt auf Schotterwegen verhalten. Die Ergebnisse waren ernüchternd und sorgten für gewisses Entsetzen.

Während der Videodemonstration ließ Stefan einen Bündel in Folie eingeschweißter Haarproben und drei Knochenfragmente durch die Reihen durchgehen. Im Anschluss wurden die Teilnehmer gefragt welchen Tieren diese zugehörig wären. Das Haar war so unterschiedlich in der Färbung und Länge, dass von Gams über Reh und Dammwild alles genannt wurde. Tatsächlich war es jedoch nur Rotwild. Dringend wurde den Teilnehmern empfohlen ein Schnitthaar-Buch anzulegen. Dies ist aufwändig aber lerne unheimlich viel dabei.Bei den Knochen konnten die zugehörigen anatomischen Areale eher bestimmt werden. Die Vortragenden haben einen sehr großen Wert darauf gelegt bestimmen zu können, wo bzw. an welcher Stelle des Körpers das Wild beschossen wurde. Das ist von unschätzbarer Bedeutung, denn so lässt sich das Ausmaß der Verletzung und damit die Dauer der Nachsuche einschätzen. Zur Verwunderung aller Anwesenden betonten Beide, dass es nicht primär auf die Suche nach Schweiß ankommt. Es gibt Kollegen, die eine Rot-Grün Schwäche hätten und auch in der Lage sind den Anschuss richtig zu bestimmen. Es kommt eben auf andere Merkmale an. Den Schweiß wird schon der Hund finden, wenn nötig. Aus diesem Grund wurde deutlich darauf hingewiesen, wie man die Richtung und Entfernung der Anschussstelle bestimmt und an diese herantritt ohne Spuren zu verwischen. Damit war der theoretische Teil beendet.

Nach der Mittagspause wurden die Teilnehmer im Revier in Gruppen aufgeteilt. Die Stellen, von denen die Schüsse abgegeben wurden waren mit Forstmarkierungsband markiert; der Knoten im Band zeigte die Seite am Baum an der beim Schuss angestrichen war. In  Vierergruppen sollte die Anschussstelle bestimmt und unter-sucht werden. In akribischer Geduldsarbeit wurde nach Merkmalen am Boden und im Grünen gesucht; Eingriffe, Kugelschlag und alle vom Tier stammenden Teilchen sind von unschätzbarer Hilfe für den Hundeführer vor der Nachsuche. Es war nicht einfach, da viele Gewebeteile bereits der Natur, sprich den Fliegen, Ameisen und anderen Tieren gelegen kamen und nicht mehr auffindbar waren. Aber so ist eben die Jagd. Auch die Flugbahn des Projektils konnte exakt bestimmt werden und gab Hinweise auf die mögliche Höhe des Treffersitzes auf dem Tier. Es war wirklich unglaublich spannend. Im Anschluss an die Auswertung der gefunden Zeichen sollte jede Gruppe noch den beschossenen Bereich des Wildkörpers bestimmen.

Den Abschluss des praktischen teils bildete der Beschuss des Wildkörpers vor einer aufgespannten weißen Plastikfolie. Obwohl es sich um Stück bereits aufgebrochenes Fallwild handelte war die Splitterwirkung aus Geschoss-, Knochen- und Gewebeteilchen unheimlich groß. Hier kann man sich vorstellen was sich hinter einem beschossenen Stück Wild alles abspielt und weshalb es so wichtig ist, dass man nur Wild beschießt, in dessen Hintergrund sich kein weiteres Stück aufhält. Schwerste ungewollte Verwundungen und Tierleiden wären die Folge!

Zurück im Seminarraum nahm der spannende und lehrreiche Tag nach einer Feedbackrunde ein Ende. Die zuvor abgefragten Erwartungen der teilnehmer an das Seminar waren erfüllt und häufig übertroffen! Wir danken der Schweißhundestation Südschwarzwald.

Text: Dr. Marek A. Meder, Freiburg
Fotos: Hans-Ulrich Endreß

Erstellt am 18.07.2019
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