RHM Modul: Beizen – Frettieren – Jagdliches Brauchtum

Gammelshausen wurde am 10. Oktober zum Treffpunkt für ein weiteres Modul der angehenden Revierhegemeister. Bei Einhaltung der Corona-Regularien konnte ein interessantes Seminar durchgeführt werden.

  • Matthias Roscher
Erstellt am 25.10.2020

Die Vortragenden an jenem Tag waren keine Unbekannten. Matthias Roscher, der Jagdschulleiter persönlich und Michael Gallasch, der als Berufsfalkner zum Thema Beizjagd referieren sollte. Das Thema Falknerei, das weit mehr umfasst als diese Jagdart, liegt ihm sehr. Als Berufsfalkner konnte er viel aus seiner Erfahrung berichten. Nach einem Streifzug durch die Greifvogelwelt machte Michael Gallasch auf die Unterschiede der Grifftöter und der Bisstöter aufmerksam. Den Habichtartigen und den Falkenartigen. Es wurden die anatomischen Anlagen der Vögel beschrieben, wie der Falkenzahn, Fangklaue und Atzklaue aber auch das Flugbild mit der Wendigkeit bzw. Schnelligkeit den jeweiligen Königen der Luft. Das war ein wichtiger Punkt, denn wer mit der Falknerei liebäugelt muss vieles berücksichtigen und strickt überdenken welchen Beizvogel man sich anschafft. Um sich einen Vogel „aufzustellen“ muss man auch ein geeignetes Revier haben. Denn die richtige Beute muss existent sein. Falknerei ist nicht nur die Kunst der Jagd, sondern auch das Training mit und die Pflege eines solchen Tieres. Die Ernährung und Haltung eines Beizvogels in einer speziellen Voliere oder einer Drahtanlage ist essenziell und erfordert viel Geduld und Zeit. Da ist Spitzenfingergefühl gefragt, sonst hat man sich bald einen „Lahner“, einen ständig bettelnden Vogel herangezogen. Man kann viele verschiedene Vögel halten. Vom Wanderfalken bis zum Adler. Das spiegelt sich im Preis wider. Auch ein Uhu ist möglich und seiner einiger Zeit auch wieder der Sperber. Doch je nach Einsatzmöglichkeiten, ist nicht jeder Vogel geeignet. Der Bereich der Stadtjagd mit dem Vogel wurde nun zum Thema. Die Einsatzfähigkeiten und Ziele sowie viele weitere Details konnte Michael preisgeben.

Mit dem Frettieren, also der Frettchenjagd, oder auch der Baujagd mit dem Frettchen, konnte Matthias nach der Mittagspause die traditionsreichen Jagdmethoden nach der Vorstellung der Beizjagd, die ebenfalls aus vergangenen Jahrhunderten stammt, passend fortsetzen. Er betonte, dass das Frettieren ausschließlich bei der Bejagung von Kaninchen wirksam ist. Und da gab es nun die Berührungspunkte mit dem vorhergehenden Thema. Denn anstatt mit Schrot, wie man üblicherweise die Kaninchen strecken würde, setzen die Falkner ihre Frettchen im Bau ein, um die aus dem Bau flüchtenden Kaninchen durch einen Habicht binden zu lassen. Oft arbeiten hier geeignete Jagdhunde mit dem Greif Hand in Hand. Und so näherte sich Matthias langsam dem weiteren Themenbereich des Seminars, dem „Jagdlichen Brauchtum“.

Matthias eröffnet seinen Vortrag mit dem nun im JWMG verankerten Begriff der Waidgerechtigkeit und resümierte dessen eigentliche Bedeutung und der heutigen individuellen, persönlichen Definition. Er brachte viele Beispiele, an denen sich erkennen lässt, wie das Jagdliche Brauchtum schwindet. Beginnend mit der Jägersprache, deren Wortschatz ca. 13000 Ausdrücke umfasst und von denen tatsächlich nur 2000 bis 3000 Fachbegriffe Verwendung finden. Dass manche Jäger, oder eher die mit dem Jagdschein, wie Matthias sichtlich aufgeregt betont, nicht einmal in der Lage sind sich waidmännisch korrekt zu begrüßen, geht ihm völlig gegen den Strich. „Auf Waidmannsheil folgt Waidmannsheil, nicht Waidmannsdank!“ Auch dass die gebräuchlichsten Jagdsignale nicht gedeutet werden können, ist ein Dilemma. Es muss nicht gleich jeder ein Jagdhornvirtuose werden, auch wird nicht verlangt, dass man einer Bläsergruppe beitritt, was sich leider an der Anzahl der aktiven Bläser widerspiegelt. Nein, jeder Jäger, oder zumindest jener, der ein wahrer Jäger sein will, sollte die Jagdsignale beherrschen. Denn die Jagdsignale dienen neben dem Verblasen der Strecke nach einer Gesellschaftsjagd auch der Verständigung. Wie z.B. „Hahn in Ruh“.

Als weiteren und vernachlässigtem Brauch widmet sich Mattias den Bruchzeichen. Ursprünglich sollten die Bruchzeichen der stummen Verständigung dienen. Doch im Laufe der Modernisierung wird heute wohl eher auf die Mobile-Technik gesetzt. Das Handy, welches den naturnahen Charakter verdirbt, dieses jedoch nicht mehr wegzudenken ist. Wem jetzt allerdings das Handy im Wald versagt, der ist mit den Brüchen gut aufgestellt. Doch als die geläufigsten Bruchzeichen werden der „Inbesitznahmebruch“, der „Letzte Bissen“ und der „Schützenbruch“ allen bekannt sein. Aber es gibt auch u.a. die Folge- und Leitbrüche, den Anschussbruch und den Wartebruch. Sinnvoll ist auch die Verwendung des Warnbruchs wenn man Schäden an einem Hochsitz feststellt und diesen nicht umgehend beseitigen kann. Tradition hat auch das Streckelegen. In bestimmter Reihenfolge werden das Hochwild und das Niederwild zur Strecke gelegt. Es folgt die Streckenmeldung, das Verblasen und die Bruchübergabe mit waidgerechten Brüchen.

Abschließend sollte die Hubertusmesse als Brauchtum nicht fehlen. Das Fest des Heiligen Hubertus findet jährlich zum 3. November statt in Erinnerung an den 3. November 743 an welchem die Reliquien des heiligen Hubertus erhoben wurden. Meist finden an jenem und um diesen Tag Gesellschaftsjagden statt, oder Hubertusgottesdienste, die von Jagdbläsergruppen begleitet werden. Und so fand an diesem Samstag auch das Seminar sein Ende. Es war ein schönes Seminar, das aufhorchen ließ und alle dazu aufforderte das „Jagdliche Brauchtum“ zu pflegen.

Text: Dr. Marek A. Meder

Fotos: Prof. Dr. Hans-Ulrich Endreß

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