RHM Modul Jagdliche Einrichtungen 1

Am 05. September konnten wir auch die Weiterbildung zum Revierhegemeister fortsetzen. In kleinerer Besetzung trafen wir uns in Sulzbach an der Murr im Sulzbacher Hof.

  • Referent Markus Laiblin

    Referent Markus Laiblin

Erstellt am 07.09.2020

Am 05. September konnten wir auch die Weiterbildung zum Revierhegemeister fortsetzen. In kleinerer Besetzung trafen wir uns in Sulzbach an der Murr im Sulzbacher Hof.

Das Modul bestand aus einem theoretischen Teil und einer Besichtigung des Reviers der Familie Laiblin in Berwinkel wo wir die jagdlichen Einrichtungen eingehend studieren konnten.

Zunächst besprach Markus Laiblin die Ausrüstung für den Bau jagdlicher Einrichtungen bevor er auf die Unfallverhütungsvorschriften, geeignete Holzarten zum Bau jagdlicher Einrichtungen, den Holzschutz und schließlich auf aktive und passive jagdliche Einrichtungen zu sprechen kam.

Ganz wichtig war für Markus die persönliche Schutzausrüstung beim Bau von jagdlichen Einrichtungen und ganz besonders bei der Vorbereitung des richtigen Stellplatzes für Drückjagdsitze, Leitern und Kanzeln bei der der Bewuchs, der Landschaft angepasst, teilweise zurückgenommen werden muss. Unfälle mit der Kettensäge gehören zu den häufigsten Unfällen beim Bau der Einrichtungen. 

Aber auch der sicheren Konstruktion von Hochsitzen, die Eingang in die VSG 4.4 „Jagd“ gefunden hat (siehe Broschüre „Sichere Hochsitzkonstruktion“ der BG) müsse besondere Beachtung geschenkt werden: „Bei etwa einem Viertel aller bekannten, der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft gemeldeten Unfälle im Jagdbetrieb handelt es sich um Stürze von jagdlichen Einrichtungen. Ursächlich ist zumeist die unsachgemäße Errichtung oder nicht mehr gewährleistete Betriebssicherheit von Ansitzeinrichtungen“ so Markus Laiblin.

Auf die Unfallverhütungsvorschrift „Allgemeine Vorschriften für Sicherheit und Gesundheitsschutz“ (VSG 1.1), Erste Hilfe (VSG 1.3)* und die Unfallverhütungsvorschrift „Arbeitsstätten, bauliche Anlagen und Einrichtungen“ (VSG 2.1), Leitern und Tritte (VSG 2.3) Unfallverhütungsvorschrift „Technische Arbeitsmittel“ (VSG 3.1) wurde verwiesen. Auch die VSG 4.3 Forsten sei bei bestimmten Arbeiten zu beachten.

In diesem Zusammenhang verwies er auch auf die Notwendigkeit, die jagdlichen Einrichtungen einmal jährlich auf Betriebssicherheit zu prüfen und diese Prüfung zu dokumentieren; dies allein schon aus Haftungsgründen. Wenn auch nach JWMG das Betreten jagdlicher Einrichtungen verboten sei und Unfälle damit nicht mehr im Haftungsbereich des Jagdausübungsberechtigten lägen, so wäre z.B. der Unfall eines Kindes ein unverzeihliches Ereignis wenn dies im Zusammen-hang mit einer unsicheren jagdlichen Einrichtung steht.

Es sei aber auch immer damit zu rechnen, dass Jagdgegner die jagdlichen Einrichtungen manipulieren; eine Straftat zwar aber bei einer regelmäßigen Kontrolle der jagdlichen Einrichtungen seien diese hinsichtlich der Auswirkungen reduzierbar.

„Ansitzeinrichtungen sind ständig der Witterung ausgesetzt“, so Markus Laiblin, „deshalb sind die richtige Auswahl des Holzes, die Verarbeitung sowie der Schutz des Holzes vor Nässe mitentscheidend für die Lebensdauer der Hochsitze. Voraussetzung für den Holzabbau ist Wasser! Daher ist die Grundbedingung für Holzschutz die Verhinderung des Eindringens von Wasser!! Dies gilt insbesondere für die tragenden Elemente. Ratsam ist es, nur gesundes Holz zu verwenden.“

In einem größeren Block wurden dann die verschiedenen Holzarten und ihre Eigenschaften besprochen bevor Markus Laiblin zu den verschiedenen Holzschutzmaßnahmen überlenkte.

Der letzte Schwerpunkt im theoretischen Teil waren dann waren die jagdlichen Einrichtungen selbst, wobei sowohl aktive als auch passive besprochen wurden wobei § 30 JWMG regelt, dass „(1) Der Jagdausübungsberechtigte darf auf land- und forstwirtschaftlich genutzten Grundstücken besondere Arten wie Futterplätze, Ansitze und Jagdhütten (Baurecht!) nur mit Genehmigung des Grundeigentümers errichten; der Eigentümer ist zur Erteilung der Genehmigung verpflichtet, wenn ihm die Duldung der Anlage zugemutet werden kann und er eine angemessene Entschädigung erhält.“

In der heutigen Zeit ist es sehr leicht möglich eine Internet gestützte Karte von einem Revier und seinen Ansitzeinrichtungen zu erstellen und so sehr schnell und exakt seine Mitjäger über das Revier und jagdliche Maßnahmen zu informieren. Apps bieten zudem die Möglichkeit die Hochsitze und deren Kontrolle zu erfassen und Beweis-sicher zu dokumentieren.

Nach dem Mittagessen ging es dann in das Revier. Markus Laiblin zeigte alles was er so in der letzten Zeit gebaut, erprobt, verworfen und verbessert hat. Zwei Vorteile räumte er allerdings ein: sein Jagdrevier ist der Wald seiner Familie und Holz steht ihm uneingeschränkt und in jeder Form zu Verfügung wobei ihm das eigene mobile Sägewerk - wir hatten 2016 darüber berichtet - einen großen Vorteil böte.

Die Teilnehmer, die alle schon jagdliche Einrichtungen gebaut hatten nahmen dabei doch die eine oder andere Anregung mit und zeigten sich sehr zufrieden über die Inhalte und Ausführung dieses Moduls.

Text und Fotos Hans-Ulrich Endreß

*) In diesem Zusammenhang verwies Hans-Ulrich Endreß auf das Seminar „Ersthelfer Jagdbetrieb“ das vom Jagd - Natur - Wildtierschützerverband Baden-Württemberg e.V. vom 02. bis 04. Oktober in Gammelshausen angeboten wird. Es seien noch wenige Plätze frei.

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