RHM Modul Jagdlichen Einrichtungen 2

Am 17. Oktober trafen sich die Teilnehmer des Weiterbildungsangebotes zum Revier-hegemeister (BDJV), zum letzten Mal in diesem Jahr, im Naturzentrum Rheinauen *) in Rust.

Erstellt am 09.11.2020

Begrüßt wurden wir von unserem Ausbildungsleiter Prof. Dr. Hans-Ulrich Endreß und dem Leiter des Naturzentrums Rheinauen Herrn Alexander Schindler.

Direkt neben dem Europa-Park Rust gelegen, ist das sehenswerte Holzgebäude mit dem Ausstellungsgelände einen eigenen Ausflug wert. Als Gastgeber stellte uns Herr Schindler selber die Aufgaben des Naturschutzzentrums vor: Das 1979 zum Naturschutzgebiet erklärte Taubergießen ist mit rund 1.682 ha eines der größten Schutzgebiete in Baden-Württemberg und ein echtes Länderübergreifendes Projekt. Ein wesentlicher Teil des Naturschutzgebietes befindet sich mit 997 ha im Besitz der französischen Gemeinde Rhinau. Das Naturzentrum bietet eine Vielzahl von Angeboten für Schüler und Erwachsene. Kontinuierlich wurde es von der Gemeinde Rust mit viel Aufwand als Bildungs- und Wissenszentrum für natur-interessierte Menschen jeden Alters ausgebaut. Da geht es um Naturschutz, Umweltpädagogik und Forstwirtschaft. Es war uns eine Ehre, dort als Gäste diese Einrichtung nutzen zu dürfen.

Nach der Einführung von Herr Schindler übernahm unser Ausbildungsreferent Dipl. Holzwirt Markus Laiblin. Thema waren die verschiedenen Arten der Nisthilfen. Angefangen von den verschiedenen Arten für Vögel, lernten wir noch Hilfen die für Fledermäuse kennen, zudem wurden Insektenhotels vorgestellt.

Häufig konzentrieren sich die Jäger nur auf die im Jagd- und Wildtier Management vorgestellten Tierarten. Diese Ausrichtung ist jedoch zu einseitig. Da es sicherlich nicht oft genug wiederholt werden kann, wurden auch die wichtigsten Singvogelarten in unseren heimischen Wäldern dargestellt. Der Hinweis unseres Referenten, dass die meisten Jäger wohl keine fünf aufzählen, geschweige denn erkennen könnten, sorgte für eine kurze aber lebhafte Debatte -  unserer Meinung nach liegt er damit aber leider richtig - Rabenkrähe, Eichelhäher, Amsel, Star und dann?

Das Problem ist, dass wir Jäger in der Öffentlichkeit als Fachleute für den Wald wahr-genommen werden. Diese Vorschusslorbeeren sollten wir uns mit Unkenntnis nicht verspielen – wenn wir im Wald gefragt werden: was ruft denn da? Was sitzt denn im Baum? Und die Kenntnis bei „Reh“ und „Schwein“ endet.

Genauso wenig wie man mit dem Jagdschein ausgelernt hat, genauso selbstverständlich sollte es sein, dass man sich als Wildtierschützer und angehender Revierhegemeister immer weiter und tiefer mit den verschiedenen Themen des Ökosystems Wald und Flur beschäftigt. Naturschutz ist nicht nur die Anlage von Benjeshecken und Wildäckern, sondern auch aktiver Singvogel und Fledermausschutz. Durch das Anbringen von Vogelhäuschen werden aus Hochsitzen Biotope, wenn nicht zuvor schon Hornisse, Wespe und Bilch eingezogen sind.

Anschließend gab uns Alexander Schindler nochmals einen Abriss der Unfallverhütungs-vorschriften in Bezug auf den Umgang mit der Motorsäge und der persönlichen Schutzausrüstung. Jeder von uns hat schon vieles gesehen und erlebt bei dem Umgang mit der Motorsäge. Als fester Grundsatz aus diesem Teil des Vortrages gilt: Es gibt kein „schnell“ oder „klein“ mehr im Umgang mit der Motorsäge – jeder auch noch so kleine Einsatz ist ernst zu nehmen. Die meisten Unfälle passieren im „kleinen“ Einsatz. Die Schilderungen der Unfälle beginnen dann mit den Worten: „ich wollte doch nur…“

Als schönen Abschluss des Vormittags erhielten wir eine Führung über das Gelände des Naturzentrums. Auf 1,8 ha wird Wissen rund um das Thema Wetter auf unterschiedliche Art und Weise vermittelt. Oben auf der Hügelkuppe bietet der 18 m hohe Aussichtsturm  einen phantastischen Überblick über die Landschaft. Der Aufstieg wird mit einer großartigen Aussicht in die Rheinebene und das nahe Elsass belohnt. Auch ein Blick in eine „andere Welt“ ist möglich. Eine der Achterbahnen des Europa-Park liegt unweit vom naturzentrum und so sind die Geräusche des "Silverstar" bzw. deren Insassen gut zu vernehmen. Für uns von wesentlicherem Interesse waren jedoch die verschiedenen Arten der praktisch vorgestellten Nisthilfen/-Kästen, die wir live ansehen und anfassen konnten.

Für das Mittagessen wurde ein Feuer entfacht und auf dem Grill hervorragende Wildschweinwürstchen zubereitet. Auch Popcorn über dem Feuer zubereitet wurde uns serviert! Ein Dank an dieser Stelle an unseren Grillmeister Peter Bux - im Hauptberuf zertifizierter Waldpädagoge und Leiter der Pädagogik im Naturzentrum! Vom Grillplatz aus hatten wir einen guten Überblick über den an das Naturzentrum angrenzenden Teich. Dort zeigte sich wie in einem Brennglas die Veränderungen im Bereich der Population der Wildtiere: über 30  Kanadagänse, drei Nilgänse, zwei Blässgänse, wenige Stockenten und vier Kormorane.

So gestärkt begaben wir uns am Nachmittag in die Werkstatt, um das am Vormittag Gelernte in die Praxis umzusetzen. Wir hatten die Möglichkeit vier Arten von Nistkästen zu bauen. Zwei geschlossene, für kleine und größere Vögel, einen offenen und einen Fledermauskasten. Die Ausstattung der Werkstatt ist komplett, alle Werkzeuge und Maschinen sind in einen hervorragenden Zustand. Von allen Teilnehmern wurde fleißig gemessen, gesägt, geschmirgelt und gebohrt. Einigen merkte man an, dass sie im Umgang mit dem vorhandenen Profiwerkzeug geschult waren. Für den Rest stand immer der Mitarbeiter Peter Bux des Naturzentrums mit Rat und Tat zur Seite – definitiv mal was anderes als der ansonsten obligatorische Hochsitzbau. Neben den Hochsitzen werden nun mit der gleichen Begeisterung Nistkästen für Vögel und Fledermäuse gebaut.

Es war ein schöner Tag und ein würdiger Abschluss für dieses Ausbildungsjahr.
Gerne kommen wir wieder nach Rust!

*) www.naturzentrum-rheinauen.eu

Text: Peter Braun und Christoph Maetz

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