Am 17. Januar 2026 startete zum zehnten Mal der Stadtjägerkurs unter der Leitung von Dr. Hans-Ulrich Endreß mit dem Modul Wildtierökologie und Wildtiermanagement.
Als Referenten des Kurses konnten wiederum Christof Janko vom MLR, Michele Deis in Vertretung von Judith Ehrlacher vom FVA-Wildtierinstitut sowie Adrian Mau, ehrenamtlicher Stadtjäger in Karlsruhe und Peter Menzendorf, Wildtierbeauftragter (WTB) im Ostalbkreis gewonnen werden.
Der Kurs wird vom Landes|STADTJAGD|Verband in Lizenz des Jagd - Natur - Wildtierschützerverbandes Baden-Württemberg e.V. durchgeführt.
Wildtiermanagement im urbanen Raum - Praxis und Konzepte
Christof Janko, der von Anbeginn an zusammen mit Uwe König am Aufbau des Ausbildungskonzeptes „Stadtjäger“ mitgearbeitet hat, stellte das urbane Wildtiermanagement vor. Er begann mit der Tatsache und den Gründen, weshalb Wildtiere vermehrt im urbanen Bereich anzutreffen sind. Nach einem Streifzug durch Mensch-Wildtier-Beziehungen und -Konflikte, den Rückgang der Scheu von Wildtieren, das Fütterungsverbot sowie die Vermenschlichung von Wildtieren kam er auf Wildtiermanagementkonzepte und deren Akteure zu sprechen.
Im zweiten Teil stellte Christof Janko die Forschungsergebnisse der Universität Freiburg vor, die in der Broschüre von Peerenboom et al. „Wildtiermanagement im Siedlungsraum – Ein Leitfaden für Kreise und Kommunen in Baden-Württemberg“ zusammengefasst sind. Wildtiermanagement im Siedlungsraum habe primär zum Ziel,
- Aufklärung zu leisten und Informationen für Bürgerinnen und Bürger bereitzustellen und
- Konflikte zu vermeiden bzw. nachhaltig zu lösen.
Michele Deis von der FVA sprach über die Aufgaben des Wildtierinstituts und insbesondere über die Aufgaben der Wildtierbeauftragten (WTBs) und Netzwerkpersonen. Eine gute Zusammenarbeit zwischen WTBs sowie Stadtjägerinnen und Stadtjägern und der Aufbau eines gut funktionierenden Netzwerkes erleichtere die Arbeit, insbesondere im Bereich der Lösung von Mensch-Wildtier-Konflikten. Häufig sei der WTB im Landratsamt der erste Ansprechpartner bei Problemen, wenn die eingesetzten Stadtjägerinnen oder Stadtjäger nicht flächendeckend bekannt sind, und könne dann die Einsätze an diese vermitteln.
Interessante Einblicke in die Stadtjagd von Karlsruhe
Wie die Stadtjagd in Karlsruhe organisiert ist und wie es zum Aufbau der ehrenamtlichen Stadtjagd gekommen ist, schilderte sehr anschaulich Adrian Mau, der am Aufbau maßgeblich beteiligt war.
Die sechs Stadtjäger in Karlsruhe kommen aus den unterschiedlichsten Berufen mit unterschiedlicher Fachkompetenz und profitieren dabei von der Schwarmintelligenz. Bei ihrer Tätigkeit bauen sie auf die gute Zusammenarbeit mit der Unteren Jagdbehörde. Die Stadt Karlsruhe habe sich entschlossen, die Stadtjagd im Ehrenamt auszuführen, wobei die Stadtjäger eine Ehrenamtspauschale pro Einsatz erhalten.
Wenn Einsätze keine öffentliche Relevanz haben, wird jedoch auch in Karlsruhe von dieser Regelung abgewichen und der Stadtjäger rechnet direkt mit der Bürgerin oder dem Bürger ab. Karlsruhe mache in diesen Fällen jedoch nicht von § 13a JWMG Gebrauch, sondern arbeite weiterhin mit Genehmigungen der Unteren Jagdbehörde (UJB). Dies bedeute zwar einen höheren Verwaltungsaufwand, habe jedoch den Vorteil, dass die Kostenstrukturen der Stadtjagdeinsätze unter Kontrolle bleiben. Besonders wichtig war Adrian Mau der gute Kontakt der Stadtjäger zur Bevölkerung sowie deren hohes Ansehen.
Die Kursteilnehmer hörten den Schilderungen der Referenten aus der Praxis sehr aufmerksam zu und steuerten häufig interessiert Fragen bei. So dauerte dieses Modul zwar etwas länger als geplant, machte aber sowohl den Zuhörern als auch den Referenten sichtbar viel Spaß.





