Die Zitterpappel (Populus tremula) wurde zum Baum des Jahres 2026 gewählt. Dies verkündete die Dr.-Silvius-Wodarz-Stiftung. Mit dieser Auszeichnung rückt eine Baumart in den Fokus, die zwar weit verbreitet ist, in ihrer ökologischen Bedeutung jedoch häufig unterschätzt wird. Als typischer Pionierbaum spielt die Zitterpappel eine zentrale Rolle für die Artenvielfalt und die natürliche Entwicklung unserer Wälder.
Charakteristisch für die Zitterpappel sind ihre rundlichen, fein gezähnten Blätter, die bereits bei leichtem Wind in Bewegung geraten. Ursache dafür sind die seitlich abgeflachten Blattstiele, die den Blättern eine besondere Beweglichkeit verleihen. Dieses „Zittern“ ist nicht nur namensgebend, sondern erfüllt auch ökologische Funktionen, da es die Durchlüftung der Krone verbessert und die Anfälligkeit für Pilzbefall verringern kann.
Die Zitterpappel gehört zur Familie der Weidengewächse und ist in weiten Teilen Europas sowie in Asien heimisch. Sie wächst bevorzugt an Waldrändern, in Auen, auf Lichtungen oder auf kargen Böden und erreicht Wuchshöhen von bis zu 30 Metern. Nach Stürmen, Bränden oder Kahlschlägen ist sie oft eine der ersten Baumarten, die sich neu ansiedeln und damit den Grundstein für die weitere Waldentwicklung legen.
Besonders wichtig für den Naturschutz
Von besonderer Bedeutung ist die Zitterpappel für den Naturschutz. Sie bietet Lebensraum und Nahrung für eine Vielzahl von Tierarten. Zahlreiche Insekten, darunter viele spezialisierte Schmetterlingsarten, sind auf die Zitterpappel angewiesen. Vögel nutzen ältere Bäume als Brut- und Ruheplätze, während Spechte das vergleichsweise weiche Holz für den Höhlenbau schätzen. Auch Pilze, Käfer und andere Totholzbewohner profitieren von alten oder abgestorbenen Pappeln, die wertvolle Strukturen im Wald schaffen, erklärt Markus Laiblin, 2. Landesvorsitzender des JNWV Baden-Württemberg e. V.
Ein weiteres Merkmal der Zitterpappel ist ihre Fähigkeit zur vegetativen Vermehrung.
Über Wurzelausläufer können sich ganze Baumgruppen bilden, die genetisch identisch sind. Auf diese Weise entstehen stabile Bestände, die besonders widerstandsfähig gegenüber äußeren Einflüssen sein können und über lange Zeiträume hinweg bestehen.
Trotz ihrer ökologischen Bedeutung wird die Zitterpappel in vielen Wirtschaftswäldern nicht ausreichend geschätzt. Aufgrund ihres weichen Holzes gilt sie häufig als wirtschaftlich uninteressant und wird zugunsten anderer Baumarten entfernt. Alte Exemplare und Totholzstrukturen, die für zahlreiche Tierarten unverzichtbar sind, werden dadurch zunehmend seltener.
Das vergleichsweise leichte und weiche Holz der Zitterpappel wird jedoch trotz seiner geringen wirtschaftlichen Bedeutung in vielen Alltagsprodukten verwendet. Vielen Menschen ist dabei nicht bewusst, dass sie regelmäßig mit Pappelholz in Kontakt kommen: Rund 80 Prozent der Umrührstäbchen für Kaffee „to go“ werden aus Pappelholz hergestellt.
Die Wahl zum Baum des Jahres 2026 soll auch auf diese Entwicklung aufmerksam machen und verdeutlichen, wie wichtig auch scheinbar unscheinbare Baumarten für gesunde und artenreiche Ökosysteme sind.





