Stuttgart, 30. März 2025 – Lebensräume erhalten, Arten schützen und Verantwortung übernehmen: Auch in diesem Jahr zeigte sich die Bandbreite des praktischen Naturschutzes, den Mitglieder des Jagd-Natur-Wildtierschützerverbands Baden-Württemberg (JNWV) mit großem Engagement leisten. Bereits zum zweiten Mal verlieh der Verband seinen Naturschutzpreis – eine Auszeichnung, die zeigt, wie sehr jagdliches Handeln und aktiver Umweltschutz Hand in Hand gehen können.
Alle ausgezeichneten Projekte erhielten eine Urkunde, die Naturschutznadel des Verbands, ein Preisgeld von 100 Euro sowie eine wetterfeste Projekttafel mit dem Hinweis auf die Förderung durch den JNWV. Gestiftet wurde das Preisgeld erneut von Prof. Dr. Hans-Ulrich Endreß, der das Format 2024 initiiert hatte und auch 2025 maßgeblich unterstützte. „Naturschutz lebt vom Mitmachen – und vom Sichtbarmachen. Diese Projekte sind sichtbare Zeichen unserer Werte“, betonte Endreß im Rahmen der Verleihung.
Die ausgezeichneten Projekte im Einzelnen:
Manfred Siefridt – Zwei Streuobstwiesen für Artenvielfalt und Landschaftsbild
Mit der Neuanlage von zwei Obstbaumwiesen in Lanzfurt (1 ha) und im Schlund (3 ha) leistet Manfred Siefridt einen wertvollen Beitrag zur ökologischen Aufwertung traditioneller Kulturlandschaften. Gepflanzt wurden ausschließlich alte, regionale Obstsorten – ein lebendiger Genpool und wichtiger Lebensraum für Vögel, Insekten und Kleinsäuger. Die Durchführung des Projektes erfolgte durch Mitglieder des JNWV gemeinsam mit dem örtlichen Forst. Die Bäume haben sich hervorragend entwickelt, die Fläche fügt sich harmonisch ins Landschaftsbild ein. Unterstützt wurde das Projekt u.a. durch eine Spende der Stadtwerke Pforzheim.
Hubert und Thomas Schlusche – Ganzjährige Pflege für ein lebendiges Revier
Auf einer rund 1 ha großen Streuobstwiese in Hochhausen betreiben Hubert und Thomas Schlusche intensive Lebensraumgestaltung: Ein neues Insektenhotel, zahlreiche Nistkästen und gezielte Maßnahmen zur Molchrettung bilden das Rückgrat ihres Engagements. Besonders erfreulich: Seit Beginn der Maßnahmen wurden mehrere Ketten Rebhühner sowie erstmals wieder Fasane im Revier gesichtet – ein klarer Beleg für die Wirksamkeit der Arbeit. Das Projekt wurde mehrfach in den Fränkischen Nachrichten dokumentiert und soll als Beispielprojekt weiterentwickelt werden.
Markus Laiblin – Pflege, Erhalt und Neupflanzung alter Obstsorten
Auf einer 10 ha großen, in Eigenbesitz befindlichen Fläche führt Markus Laiblin eine konsequente Strategie zum Erhalt alter Obstsorten fort. Allein im aktuellen Pflanzzeitraum wurden 45 neue Hochstämme – vorwiegend Apfel, ergänzt um Zwetschge und Kirsche – gesetzt. Damit steigt der Gesamtbestand auf rund 480 Bäume. Das Projekt wurde ohne öffentliche Förderung realisiert und steht beispielhaft für nachhaltige Einzelinitiative und langfristiges Denken im Naturschutz.
Peter Maurer – Rebhuhnschutz als Gemeinschaftsaufgabe
Mit der AG Rebhuhn und der Niederwild-Hegegemeinschaft Lemberg realisiert Peter Maurer ein umfassendes Schutzprojekt auf mehr als 300 ha in der Gemarkung Remseck-Aldingen. Das Ziel: Brut- und Rückzugsräume für das Rebhuhn zu sichern – begleitet durch gezieltes Prädatorenmanagement, extensive Bewirtschaftung und dauerhafte Pflege. Unterstützt wird das Projekt durch den Landschaftspark Region Stuttgart, die Stadt Remseck sowie zahlreiche ehrenamtliche Helferinnen und Helfer aus Landwirtschaft, Verwaltung und Naturschutzverbänden. Die Ergebnisse sind klar sichtbar: Die Brutreviere gelten als gesichert, das Projekt wurde öffentlich und politisch gut begleitet.
Stefan Bente – Rückzugsräume für Insekten, Vögel und Fledermäuse
Auf einer 1.500 m² großen Fläche hat Stefan Bente seit 2022 Schritt für Schritt ein kleines Paradies für heimische Arten geschaffen: Neben einer artenreichen Bienenwiese entstanden eine Benjeshecke sowie zahlreiche Nistkästen für Vögel und Fledermäuse. Der Einsatz erfolgt vollständig in Eigenleistung – mit dem Ziel, die Biodiversität im Revier langfristig zu fördern. Erste Rückmeldungen aus dem Revier sind vielversprechend, die Fläche wird bereits rege von Wildtieren genutzt.
Christoph Schöllhammer – Naturbildung mit dem Waldkindergarten Göppingen
Ein Projekt, das Herz und Handwerk verbindet: Gemeinsam mit Kindern und Erzieherinnen und Erziehern des Waldkindergartens Göppingen baute Christoph Schöllhammer 46 Vogel-Nistkästen, gestaltete sie farbenfroh und brachte sie anschließend in den Revieren an – mindestens ein Kasten pro Hochsitz. Neben der praktischen Arbeit stand die Naturerfahrung im Vordergrund: Die Kinder konnten den Nutzen der Kästen unmittelbar erleben. Das Projekt sorgte für große Resonanz bei Eltern und Gemeinde – und verhinderte sogar die Ausweisung eines Mountainbike-Kurses in einem sensiblen Habitatbereich.
Ein Zeichen für gelebten Naturschutz
Die Naturschutzprojekte 2025 zeigen eindrucksvoll, wie vielfältig jagdlicher Einsatz für Natur- und Artenschutz aussehen kann. Der Verband kündigte an, auch für das kommende Jahr wieder zur Einreichung von Projekten aufzurufen. Die nächste Preisverleihung erfolgt im Rahmen der Mitgliederversammlung 2026.
„Unsere Mitglieder zeigen mit ihren Projekten, dass jagdliches Engagement weit über die Reviergrenzen hinaus wirkt – sichtbar, nachhaltig und mit Vorbildfunktion“, stellte Landesvorsitzender Thomas Glaser zum Abschluss der Preisverleihung fest.





