Anton Fichtlmeier zu Gast bei den Wildtierschützern

Er ist bekannt durch seine Literatur. Etliche Bücher zum Thema Jagdhundeerziehung hat er verfasst, hält regelmäßig Vorträge und führt eine eigene Jagdhundeschule. Doch er erzieht nicht nur die Hunde oder gibt Tipps an die Halter/Führer, nein, er schult auch die Hundetrainer, die eigentlich bereits welche sind.

  • Anton Fichtlmeier

    Anton Fichtlmeier

Erstellt am 27.10.2019

Anton Fichtlmeier hat ein eigenes Konzept. Er vertritt Ansichten zur Jagdhundeerziehung bzw. Ausbildung die nicht alle mit ihm teilen (wollen). Sein Trainingskonzept selbst ist international anerkannt und akzeptiert. Seine negative Einstellung zur herkömmlichen, traditionellen Vorgehensweise bei der Zucht oder den Brauchbarkeitsprüfungen nicht unbedingt.

Auch an diesem Tag, als Herr Fichtlmeier auf die künftigen Revierhegemeister trifft, bleiben nicht alle ruhig und hören einfach nur zu. Es wird rege diskutiert, auch wenn der Ton gelegentlich über die Stränge schlägt. Doch das ist von Anton Fichtlmeier gewollt. Gezielt versucht er die Teilnehmer aus der Reserve zu locken. Mit seiner Bemerkung, kupierte Hunde wären verstümmelt, berührt er einen wunden Bereich einiger anwesender Hundeführer. Es gäbe keine wissenschaftlichen Belege für diese Massnahmen, wie er zu wissen scheint. Stattdessen ist er sich sicher, dass kupierte Hunde nicht mehr in der Lage wären optimal anzuzeigen. Zudem zählt für ihn die Argumentation der Rutenverletzung überhaupt nicht. Denn, sollten bestimmte Hunderassen davon offensichtlich deutlicher betroffen sein, dann sind jene für dieses Aufgabengebiet nun mal ungeeignet. Dafür gäbe es andere Jagdhunde, die diesen Gefahren eben nicht ausgesetzt sind. Und davon gibt es jede Menge. Für die Nachsuchen, als Beispiel, eignet sich in seinen Augen jeder Hund. Jeder Hund sei in der Lage eine Schweißfährte aufzuspüren und dieser nachzugehen. Diese Erkenntnis wurde bereits beim Anschußseminar der Schweißhundestation Südschwarzwald bestätigt (siehe Bericht vom 18.07.2019). An mitgebrachten Videoaufzeichnungen bekundet er seine Stellung.

Zu den Gebrauchshundeprüfungen hat Anton Fichtlmeier auch ein gespaltenes Verhältnis. Er verurteilt bereits die Vorbereitung auf die Prüfungen bzw. die prägenden Trainingsphasen. Dass die Mehrheit Rinderblut für die Schweißfährte nutzt, ein Stück Schwarzwilddecke nachsuchen lässt und den Hund mit einer Portion Katzenfutter belohnt, geht ihm sichtlich und hörbar gegen den Strich. Das hat für ihn nicht im geringsten Sinne etwas mit der Realität zu tun. Auch das Apportieren an einer fluguntauglich gemachten Lebendente ist für ihn ethisch nicht tolerierbar und sieht zu einer realitätsnahen Situation ebenfalls keinerlei Parallelen. Wozu dann das Federwild plagen, stellt er die Frage in den Raum. Anhand veröffentlichter wissenschaftlicher Master-Arbeiten versucht er seine Bedenken zu bestätigen. Er deutet auf grobe Untersuchungsfehler der Arbeiten hin, wo „Äpfel mit Birnen“ verglichen wurden.  Aus wissenschaftlicher Sicht ist das natürlich absolut fatal. Gerne hätte er noch gewusst, ob Diejenigen, die sich Sorgen um ihr eigenes Gehör machen, auch mal an ihren Hund denken, wenn dieser unter der Flinte steht.

Etliche Dummies, Halsungen, aber auch der Umgang mit dem Fährtenschuh wurde mit Videomaterial vorgestellt und kommentiert. Seine Hunde setzten auf der Leinwand den theoretischen Teil in die Praxis um.     

Bis zur letzten Minute war der Vortrag feurig aber spannend. Anton Fichtlmeier bedankte sich für das tapfere Zuhören. Er bestätigte seine intensiv-lebhafte Art zu referieren, um sich im Gedächtnis aller Anwesenden zu verankern mit dem Ziel die Themen selbstkritisch zu überdenken.

Kurzum, ein Modul einer anderen Art das Eindruck hinterlassen hat.

Dr. Marek A. Meder, Freiburg
(JNWV- BW)

Erstellt am 27.10.2019
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