Bericht Stadtjäger Modul 7 und 5

Bericht zur Fortbildungsreihe „Geprüfter Stadtjäger (JNWV-BW)“
Modul 7 (Fallen, praktisch) und Modul 5 (Jagdarten im urbanen Bereich)

Erstellt am 31.03.2019

Am 16. März 2019 traf sich der dritte Kurs „geprüfter Stadtjäger (JNWV)“ in Schramberg bei der Firma Fallenbau Weißer. Klaus Weißer und unser Schulungsleiter Uwe König begrüßten 23 Teilnehmer des neuen Kurses, der am 12. Januar mit dem Einführungsseminar begonnen hatte.

Wie in den beiden Kursen zuvor hatten die Kursteilnehmer die Möglichkeit alle bei uns gebräuchlichen - unter welchen rechtlichen Voraussetzungen auch immer - aber auch einige Fallenarten, die bei unseren Nachbarn aber auch im Tierschutz üblich sind, kennen zu lernen und zu begreifen (ganz wörtlich gemeint). Alle Fallen wurden von Uwe König und Klaus Weißer im Detail erklärt und ihr Einsatzgebiet bzw. Einsatzzweck erläutert und Alternativen aufgezeigt.

Das Spektrum reichte von Kasten- und Betonrohrfallen, Drahtgitterfallen, Fangkörbe / Schlagnetzfallen für den Lebendfang für verschiedene Vogelarten bis hin zu Abzugseisen für Fuchs, Dachs, Iltis und Marder und die zugehörigen Fangbunker. Besonderes Interesse fand die Lebendfangfalle für Frischlinge, die Klaus Weißer derzeit im Auftrag entwickelt und einen Beitrag zur Reduzierung der Wildschweinpopulation auch im Hinblick der Afrikanischen Schweinepest leisten soll.  Die Conibear-Falle wurde als Möglichkeit zum Abfangen von Haar-Raubwild, eingebaut in Abfangkästen vorgestellt.

Klaus Weißer demonstrierte die Messung der gesetzlich geforderten Klemmkräfte der Abfangeisen, erklärte den Unterschied zur Schlagkraft und zeigte wie man das Ei-Abzugseisen sach- und fachgerecht in einen Fangbunker einbaut und fängisch stellt.

Alle Teilnehmer mussten am Ende des Seminartages als praktische Prüfung ein Schlageisen einsatzbereit machen und wieder entspannen. Auf die hierzu absolut notwendigen Hilfsmittel war zuvor im Detail eingegangen worden.  Auch wenn nicht alle Stadtjäger mit den Abfangeisen arbeiten werden, so kommt es immer wieder vor, dass gespannte Abfangeisen von Passanten gesichtet und der Polizeigemeldet werden; ohne Kenntnis der Handhabung ist aber auch das Schadlos machen ein gefährlicher Vorgang und sollte nur von geschulten Personen gemacht werden.

Wir bedanken uns sehr herzlich bei Klaus Weißer, dass er seine Fertigungshalle erneut in einen Seminarraum umgebaut und für das leibliche wohl der Teilnehmer gesorgt hat. Wir werden sicher auch im nächsten Jahr wieder kommen.

Nach diesem sehr anschaulichen und lehrreichen Seminartag fuhren wir ins benachbarte Tennenbronn wo am nächsten Tag das Thema jagdliche Möglichkeiten im urbanen Bereich behandelt werden sollte. Im Hotel Adler fanden die meisten Teilnehmer Quartier und trafen sich zum gemeinsamen Abendessen und Meinungsaustausch.

Der Seminartag am 17. März begann mit einem Vortrag von Matthias Gallasch, Falkner und Fotograf (http://www.german-wildlife.de/), zum Thema Beizen und Frettieren im urbanen Bereich.

Matthias Gallasch begann mit einer Schilderung der Geschichte der Falknerei und ihrer Bedeutung in der heutigen Zeit. Besonders wichtig war ihm aufzuzeigen, dass die ausgebildeten Falkner die eigentlichen Fachleute auf dem Gebiet der Greifvogel Ornithologie sind, die sehr häufig bei verunfallten Greifvögeln zu Hilfe gerufen werden.

Im Weiteren stellte er die Eigenschaften der Greife vor und die mit ihnen möglichen Arten der Beizjagd, alleine mit dem Beizvogel, zusammen mit Hund oder Frettchen, mit weiteren Schützen als Gesellschaftsjagd - kein Thema für die Jagd im befriedeten Bezirk.

Offen und kritisch schilderte Matthias Gallasch die Einsatzmöglichkeiten und die Grenzen der Beizjagd in der Stadt sowie die dort lauernden Gefahren wie Glasfronten, mit Glas verkleidete Balkone und Verkehrsteilnehmer. Verwinkelte Gebäudeanordnungen erschwerten zudem den Erfolg bei der Vergrämung von Tauben und Krähen. Häufig sei die Erwartungshaltung der Betroffenen größer als die Aussicht auf Erfolg; und wenn man an den nicht glaube, so soll man den Auftrag besser nicht annehmen.

Nach dem gemeinsamen Mittagessen übernahm wieder Uwe König und ergänzte die Schulungs-inhalte des gestrigen Tages mit weiteren Erläuterungen aus seiner praktischen Tätigkeit als Stadtjäger in München.

Schwerpunkte waren der Einsatz geeigneter Schusswaffen und Munition, alternative Bejagungs-möglichkeiten mit dem Jagdbogen (Armbrust ist derzeit noch kein Thema) aber auch mit Blasrohr und Narkosegewehr, das Abfangen von kranken Tieren mit der kalten Waffe, der Transport von lebenden aber auch von toten, kranken Tieren. Am Ende steht dann immer entweder das Freilassen des Wildtieres oder das Töten und anschließende Entsorgen des Wildkörpers mit Entsorgungsnachweis. Diese Punkte müssen unbedingt und immer im Vorfeld des Einsatzes als Stadtjäger geklärt und behördlich genehmigt sein.

Besonders viel Zeit widmete Uwe König dem Thema Hygiene - strikte Trennung von Arbeitsgerät für krankes Wild und Wildbret - ein absolutes MUSS für jeden Stadtjäger. Einwegklingen für Messer, gute Reinigbarkeit, Desinfektionsmöglichkeiten und sichere Handhabung von Messern lagen ihm ebenso am Herzen wie die persönliche Schutzausrüstung beim Umgang mit Fallwild oder getötetem kranken Wild. Es ist unnötiger Leichtsinn sich selbst in Gefahr zu bringen; gute Kenntnisse über Wildkrankheiten, Übertragungsmöglichkeiten und Immunisierungsmöglichkeiten sind Grundkenntnisse eines Stadtjägers, so sein Plädoyer.

Als neue Schulungsinhalte hatte Uwe König die Arbeitspakete Erste-Hilfe-Sets und Eigensicherung bei Wildunfällen und Einsätze im fließenden Verkehr. Es sterben Jäger und Polizistenweil diese nicht ausreihend gesichert sind und Verkehrsteilnehmer nicht aufmerksam sind bzw. die Auswirkungen ihres Fahrverhaltens falsch einschätzen (man kann es auch rücksichtslos nennen).

Uwe König hatte ein Erste-Hilfe-Set zusammengestellt wie er es aus praktischer Erfahrung allen Stadtjägern empfehlen würde. Er betonte, dass er damit kein Erste Hilfe Seminar gestalten möchte. Hierzu bietet der Jagd - Natur - Wildtierschützerverband das 20-stündige Seminar „Ersthelfer Jadbetrieb“ an, das jedem angeraten sei, zu besuchen.

Eigensicherung im Straßenverkehr ist bisher ein Stiefkind aller einschlägigen Seminare zudem gäbe es keine speziellen Warnschilder für diesen Einsatz. Uwe König hat daher ein geeignetes hohes, stabiles, einfach transportierbares, gut sichtbares Warndreieck in Auftrag gegeben, das er heute den Seminarteilnehmern vorstellen konnte. Ergänzt mit Warnleuchten oder Blitzlampen ist dieses Warnschild bestens geeignet die Verkehrsteilnehmer auf einen Wildunfall aufmerksam zu machen. Wir werden prüfen was dieses Warndreieck industriell in größerer Serie gefertigt kosten wird.

 

Text und Fotos: Hans-Ulrich Endreß

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Erstellt am 31.03.2019
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