Die Stadtjägerin / der Stadtjäger

- Erste politische Schritte zur Einrichtung dieser Institution -

Erstellt am 29.04.2019

Der bereits für November 2018 erwartete Wildtierbericht 2018 ist jetzt im April 2019 nach längeren intensiven Disputen zwischen den Regierungsparteien veröffentlicht worden; und er ist gut geworden! - Nicht einfach zu lesen aber mit 350 Seiten eine sehr umfangreiche und detaillierte Schilderung der Situation unserer Wildtiere in Baden-Württemberg.

 

Zu hoffen ist, dass man diesen Zustandsbericht mit seinen Handlungsempfehlungen nutzt, um entsprechende Schritte jetzt und heute einzuleiten und nicht, wie teilweise schon zu hören, erst auf den nächsten Wildtierbericht 2021 warten möchte, um aus eventuell festzustellenden Trends Maßnahmen abzuleiten.

 

Für uns Wildtierschützer ist sicherlich im Hinblick auf unsere Aufgaben gemäß §48 JWMG das Wildtiermonitoring der 46 Wildtierarten des Jagd- und Wildtiermanagementgesetzes die wichtigste und bereits im Vorwort erwähnte Aufgabe; die Jägerinnen und Jäger hätten darin eine besondere Verantwortung.

 

Der Wildtierbericht benennt den Jagd - Natur - Wildtierschützerverband BW e.V. als Zuständigen für die Sicherstellung der Ausbildung für die Wildtierschützerinnen und Wildtierschützer, die künftig im Wildtiermanagement eine Rolle spielen würden (S.81). So positiv diese Aussage klingt, so kritisch muss man wohl fragen was haben wir Wildtierschützerinnen und Wildtierschützer bisher getan?

 

Im Folgenden werden dann die Inhalte des §48 JWMG aufgezählt, die bekanntermaßen unsere Aufgaben spätestens seit In-Kraft-Treten des JWMG am 01. April 2015 sind. Dazu zählt auch der Umgang mit Wildtieren im Siedlungsraum und bei Unfällen mit Wildtieren.

 

Aus diesem Auftrag haben wir 2016 die Weiterbildung der Wildtierschützerinnen und Wildtierschützer zu Stadtjägerinnen und Stadtjäger ausgearbeitet und bereits 2017 den ersten entsprechenden Kurs angeboten. Diese Aktivitäten unseres Verbandes wurden stets positiv von der obersten Jagdbehörde begleitet und gut geheißen. Wir wurden bestärkt in Sachen „urbanem Wildtiermanagement“ eine sachdienliche, fundierte Ausbildung anzubieten.

 

Ausdruck findet dies jetzt auch im Wildtierbericht 2018 (S. 277): Dort, wo in diesen Lebensräumen (gemeint ist der Siedlungsbereich) Mensch-Wildtier-Konflikte entstehen, sollten Strukturen zur Konfliktlösung aufgebaut werden. Die Einrichtung einer Stadtjägerin oder eines Stadtjägers könnte zu einem fachgerechten Umgang mit Problemen und deren Lösung beitragen.

 

Unter Punkt „8.5 Anpassungsempfehlungen aus der Verwaltungspraxis für eine zukunftsfähige Jagd- und Wildtiermanagementverwaltung“ gibt es dann den Hinweis: „Vermehrt kommt es zu Konflikten mit Wildtieren in Gebieten, in denen die Jagd nicht ausgeübt werden darf. Es ist daher empfehlenswert, das Institut einer Stadtjägerin bzw. eines Stadtjägers einzuführen. Sie oder er soll auf Grundflächen einer Kommune, auf denen die Jagd ruht, schnell und situationsangepasst eingreifen können. Stadtjägerinnen und Stadtjäger sollen ebenso berechtigt sein, auf diesen Flächen schwer kranke oder schwer verletzte Tiere, die nicht dem Schutzmanagement unterliegen, zu erlegen.“

 

Dass Tiere, die dem Schutzmanagement unterliegen hier ausgenommen sind, ist aus Tierschutzgründen nicht nachvollziehbar. Wir Jäger sollen diese Tiere also leiden lassen bis ein Tierschützer oder Tierarzt sein o.k. zur Erlösung von Schmerzen gibt, als ob wir ausgebildete Wildtierschützerinnen und Wildtierschützer nicht ebenso fachgerecht beurteilen könnten, ob eine schwere Erkrankung oder schwere Verletzung eine Aussicht auf Heilung hat. Ein Zugeständnis an die grüne Politik, die uns Jägerinnen und Jägern nur das Töten zutraut? Welche anderen Beweggründe mag es dafür geben? Und was ist mit Tieren, die erst gar nicht ins Jagdrecht gekommen sind?

 

Auch die nachfolgende Regelung muss beweisen, ob sie sachdienlich und praktisch umsetzbar ist und hängt von der betroffenen Tierart ab: „Gefangene Wildtiere sollten jedoch auch außerhalb der eigenen Gemeinde wieder freigelassen werden dürfen, weil sie erfahrungsgemäß oft wieder zurückkehren. Zum Aussetzen in einer anderen Gemeinde sollte die Zustimmung des Jagdausübungsberechtigten des jeweiligen Jagdreviers ausreichend sein.“

 

Wir werden sehen, wie wir diese Hinweise nutzen können und wie uns das MLR dabei unterstützt. Unsere Weiterbildung der Wildtierschützerinnen und Wildtierschützer zu Stadtjägerinnen und Stadtjäger ist eine gute Basis und Diskussionsgrundlage für die Umsetzung der Handlungsempfehlungen des Wildtierberichtes 2018.

 

Text Hans-Ulrich Endreß

Anmerkung:

 

Die Presse hat den Wildtierbericht und besonders die neuen Hinweise auf die Stadtjägerinnen und Stadtjäger aufgegriffen und in Interviews mit Minister Hauck, Prof. Storch, der Leiterin der Professur Wildlife Ecology und Management der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und mit prof. Dr. Hans-Ulrich Endreß, Ausbildungsleiter Jagd - Natur - Wildtierschützerverband BW über dieses Thema berichtet:

 

Stuttgarter Zeitung:

Jäger sollen in der Stadt schießen dürfen

Schwäbische Ba-Wü:

Stadtjäger sollen Gemeinden gegen Tiere helfen

 

 

 

 

 

 

Erstellt am 29.04.2019
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