Modul 5 – Umgang mit Wildtieren in der Stadt

Über die verschiedensten Jagdarten, die für einen Stadtjäger in Frage kommen könnten, informierten Falkner Michael Gallasch und Stadtjäger Uwe König am 23. Oktober im Kulinarium an der Glems.

 

Auf dem Gruppenfoto die Referenten Michael Gallasch, Uwe König mit Frau und der Ausbildungsleiter des JNWV Prof. Hans Ulrich Endreß.

  • Referent Michael Gallasch

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Dabei stieg Michael Gallasch tief ins Thema Frettieren, also der Kaninchenjagd mit Frettchen ein.

Die angehenden Stadtjäger bekamen Informationen über die Haltung dieser zahmen Version des Iltis und vor allem über ihren Verwendungszweck. Bei der Jagd am Kaninchenbau gibt es nämlich allerhand zu beachten, beispielsweise solle man die Kaninchen nicht unterschätzen, diese würden recht schnell merken, wer wann auf sie Jagd mache. Erlegt werden die geselligen Tiere dann entweder mit der Flinte oder durch den Greifvogel, der wiederum auf das Frettchen abgestimmt sein muss. Aber:  „Wer in seinem Revier keine Kaninchen hat, der braucht auch keine Frettchen“, fasst Gallasch kurz zusammen.

Weiter geht es mit dem Thema Beizjagd mit Greifvögeln. Dabei muss der Falkner gerade im städtischen Raum sehr viel berücksichtigen. Der Vogel kennt keine Gartengrenzen. Fensterscheiben und Glasfassaden  können für ihn zur Gefahr werden. Allerdings ist die Jagd mit einem Greifvogel gesellschaftlich eher anerkannt, denn dieser sucht sich aus einer Gruppe Tiere instinktiv das Schwächste aus und sorgt so für eine natürliche Selektion bei der Regulierung von Wildtierbeständen.

Ausgesprochen wichtig ist es, das natürliche Verhalten eines Greifvogels genau zu kennen, um ihn dann in geeigneter Weise einzusetzen. Falken beispielsweise sind Landstreckenjäger. Sie brauche man gar nicht zwischen Gebäuden einsetzen, sie gehören ins freie Feld. Sperber, Habichte und Rotschwanzbussard dagegen jagen kurz, sie sind  auf kurzen Strecken extrem schnell.

Für beide Typen gilt, dass der Falkner abschätzen können muss, ob sein Vogel zum Jagderfolg kommen kann. Denn kehrt er häufig ohne Beute heim, so verliert er das Interesse an der Jagd.

Bei der Jagd mit dem Greifvogel darf der Falkner auch nicht die Beutetiere unterschätzen. Tauben und Krähen, die ja in den häufigsten Fällen erlegt oder wenigstens vergrämt werden sollen, kapieren schnell, wer ihnen an die Federn will – und flüchten, sobald der Falkner mit seinem Vogel auftaucht. Und kehren zurück, sobald die beiden Jäger wieder verschwunden sind.

Ausführliche Infos gab es auch zur Haltung und Pflege, die bei Greifvögeln nicht zu unterschätzen ist.
 

Praxistipps zum Vergrämen (Uwe König)

Beispiel Enten und Gänse

Es ist zu gefährlich, auf die Tiere mit Schrot zu schießen, so lange sie auf dem Wasser sind. Denn es ist kein Kugelfang vorhanden. Störendes Geflügel könne man am besten mit einem stabilen Kescher einfangen, den gefangenen Vogel dann mit einem Tuch abdecken und aus dem Gefahrenbereich transportieren. Auch hier darf man beispielsweise die Gänse nicht unterschätzen: sie wissen ganz genau, was derjenige im Sinn hat, der sich ihnen nähert, sie  Kleidung und Fahrzeuge unterscheiden. 

Es ist unmöglich, Gänse mit einem Hund zu vergrämen. Sie flüchten beim Anblick des Vierbeiners und kommen nach dessen Verschwinden wieder zurück.

Tauben:

Auch hier gilt, es ist nahezu unmöglich, Tauben nachhaltig zu vergrämen. Die einzige Möglichkeit besteht darin, Spieße oder Netze an ihren bevorzugten Sitzplätzen anzubringen. Auch Ultraschall mit Bewegungsmelder  ist ein gangbarer Weg.

Auch empfiehlt Uwe König seinen Schülern stets im Blick zu haben, dass Gänse, Enten und auch Tauben bei der Bevölkerung in der Regel beliebt sind und die Menschen es nicht gut finden, wenn Tiere vor ihren Augen erlegt werden.

Fallen:

Von einem Fallenmelder rät Uwe König eher ab; „Da weiß man nur, dass etwas in der Falle sitzt. Nicht aber was genau“. Er empfiehlt, im Bereich der Falle eine Wildkamera aufzustellen, anhand derer Fotos man dann sieht, welches Tier in welchem Zustand in der Falle sitzt.

Transport von Wildtieren

Eine rechtlich ungeklärte Angelegenheit ist der Transport von Wildtieren, den dieser ist verboten. Daher sollen die Stadtjäger im Falle des Falls die Hilfe der Polizei anfordern, die sich dann um das gefangene oder verletzte Tier kümmern soll.

In vielen Fällen sind dem Stadtjäger schlicht und einfach die Hände gebunden. Beispielsweise kann er nicht eingreifen, wenn ein Specht die gedämmt Hausfassade anpickt oder Stare Schäden anrichten. Da greift das Naturschutzgesetz, welches diese Tiere schützt.

Ein weiterer Punkt war die Wahl des geeigneten Messers, der geeigneten Waffen samt Munition.

Schutzausrüstung eines Stadtjägers:

Maske und stabile Einmalhandschuhe, Desinfektionsmittel, Verbandszeug, mobile Rundumleuchte fürs Autodach, Entsorgungssäcke, orangene Rettungsdecken, Absperrband, Kanister mit Wasser

Text: Susanne Kuhn-Urban

Foto: Hans-Ulrich Endreß