Module 2 (Wildtiere) und 4 (Wildtierkrankheiten)

Ein intensives Wochenende mit geballtem Input liegt hinter dem aktuellen Stadtjäger-Kurs, der wieder im Kulinarium an der Glems in Stuttgart stattgefunden hat.

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Vier Top-Referenten lieferten an zwei Tagen wertvolle Informationen zum Verhalten der Tiere, die den Siedlungsraum nutzen und dazu noch kompaktes Wissen rund um Tierkrankheiten. Gerade in der vom Stadtjäger erwarteten und geforderten  Beratung der Bürger ist dieses Wissen äußerst wertvoll und unentbehrlich.

Geva Peerenboom - Univ. Freiburg - hat sich intensiv mit dem Leben von Wildtieren in der Stadt auseinandergesetzt. Sie ist Mitautorin des Handbuchs „Wildtiermanagement im Siedlungsbereich“ und gab den Kursteilnehmern vor allem Hintergrundinformationen zum Thema Lebensraum in der Stadt, Veränderungen des natürlichen Lebensraums der Wildtiere und den damit verbundenen „Auffälligkeiten“ von Tieren in der Stadt. Mit ihrer sachlichen, unaufgeregten Art informierte sie  vor allem über das angemessene Verhalten gegenüber von Bürgern, die unerwarteter Weise mit Wildtieren konfrontiert sind. „Erst einmal prüfen, welche Rolle das Wildtier bei der betroffenen Person spielt,“ empfiehlt sie. Denn zum Beispiel kann der Fuchs verschiedene Gefühle hervorrufen: er könnte Sympathieträger aber auch Krankheitsüberträger sein. Er könnte eine Möglichkeit sein, den Menschen die Natur näher zu bringen, oder aber ein Schädling. Für andere dagegen ist er ein Schädlingsbekämpfer und problemloser Nachbar. So ist die Erwartung der betroffenen Person an den Stadtjäger nie im Vorfeld genau bekannt und das weitere Vorgehen muss behutsam im Gespräch ergründet  werden.

Knifflig sind auch die Interessenskonflikte, in die ein Stadtjäger bei einem Auftrag geraten kann. Es gilt immer drei Parteien zu berücksichtigen: Menschen, Wildtiere und Lebensräume. Kleingärten beispielsweise sind hoch begehrte Lebensräume, da es hier auf engstem Raum allerhand verschiedene  Nahrungsmittel  gibt,  Platz für Verstecke  und dazu müssen die Tiere vor den Menschen keine Angst haben. Gärten mit Kompost, Beerenobst und Gartenhütten sind ein paradiesisches Lebensraum-Mosaik für viele Tiere.

Detailliert sind im Handbuch Fallbeispiele und ihre rechtlichen Grundlagen  dargestellt. Auf diese ging Geva Peerenboom ebenfalls ausführlich ein.

Christof Janko - MLR - ergänzte die Ausführungen Geva Peerenbooms um weitere Beispiele. „Wo finde ich den Schlafplatz eines Fuchses? - Irgendwo, wo es trocken, windgeschützt und sonnig ist.“ „Marder lieben Dachgauben. Sie können problemlos Dachziegel mit ihrem Kopf anheben und darunter verschwinden“.  Kreativität beim Auffinden der Ruheplätze der Tiere ist also gefragt. Weitere, tiefer gehende Erläuterungen von Christof Janko folgten dann am Sonntag.

Auf das Thema Wildkrankheiten (Zoonosen und Tierseuchen)  ist am Nachmittag Tierveterinär Ingo Schwabe vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) in Stuttgart-Fellbach detailliert eingegangen. Er legte sein Augenmerk vor allem auf die Zoonosen, also Krankheiten, die vom Tier auf dem Mensch übertragen werden. Ganz aktuell: SARS-CoV-2.

Am häufigsten übertragen Viren Krankheiten auf den Mensch. Allerdings können auch Prionen (BSE), Bakterien, Mykosen und Parasiten wie Würmer, Einzeller und Milben  Krankheiten auf den Menschen übertragen. Glücklicherweise benötigen viele Krankheitserreger einen Zwischenwirt, für den es derzeit noch keine optimalen Lebensbedingungen bei uns gibt. Mit der Klimaerwärmung könne sich dies ändern und damit auch derzeit bei uns noch nicht vorkommende Krankheiten Zugang nach Europa erhalten. Es ist also größte Hygiene gefragt, Handschuhe und Mundschutz im Umgang mit Wildtieren sind nötig.

Dr. Ingo Schwabe rief die Kursteilnehmer auch zur Unterstützung der Forschung auf: verendete Tiere, durchaus auch Verkehrsopfer sollten regelmäßig zum CVUA gebracht werden. Dort würden diese dann auf  verschiedene Krankheiten wie zu Beispiel Staupe und andere untersucht, um einen möglichst genauen Überblick über die Verbreitung der Tierkrankheiten zu bekommen.

Während Ingo Schwabe die Tierkrankheiten vor allem von Innen betrachtet hat, beschäftigte sich Christof Janko mit dem äußeren Erscheinungsbild erkrankter Wildtiere. Vor allem bei erhöhter Populationsdichte sei die Gefahr von Suchen gegeben – gerade im Siedlungsbereich ist dies gegeben – wie Geva Peerenboom bereits referiert hat. „Auf einen Fuchs auf dem Land kommen bei gleicher Reviergröße zehn in der Stadt“, machte Janko deutlich. Auf Krankheiten wie Staupe, Räude, Myxomatose, EBHS und ASP (alles Virenerkrankungen) ging Christof Janko genauer ein, ebenso auf die durch Bakterien verursachte Bruccellose und Tularämie.  Parasiten rufen die Räude hervor. Anhand dieser Krankheit machte Christof Janko deutlich, dass ein schwacher Befall mit der Räudemilbe noch nicht das Todesurteil des Tieres sein muss. Es könne sich wieder erholen, muss aber weiter beobachtet werden. Steift ein räudiger Fuchs durch den Garten, empfiehlt Janko betroffenen Hundebesitzern, mit ihren Tieren vorsorglich zum Tierarzt zu gehen. So kann eine Ansteckung unterbunden werden. Großes Interesse herrscht auch beim Umgang mit dem Fuchsbandwurm. Vor allem in trockenem Zustand fliegen die Eier durch die Gegend und verbreiten die Krankheit. Bei Trockenheit gehen die Eier schneller kaputt, bei Feuchtigkeit halten sie sich wiederum länger.

Ein weiterer Krankheitsüberträger sind die Schimmelpilze. Und ansteigend sind – wie auch Stadtjäger Uwe König bestätigt – Vergiftungen aller Art. Sei es durch Pflanzenschutzmittel, Arzneimittel oder gezielt durch Gift. Hier besteht nicht nur Gefahr für das vergiftete Tier sondern auch für alle in der Nahrungskette Folgenden.

Im zweiten Teil seines Vortrages besprach Christof Janko, von Uwe König aus seinem Erfahrungsbereich unterstützt, die häufigsten in unseren Städten vorkommende Wildarten wobei er besonders auf Fuchs, Dachs, Steinmarder, Waschbär, Wildschwein, Reh, Wildgänse und Enten, Rabenkrähe, Kaninchen, Stadttauben und den Siebenschläfer, deren Lebensräume, Ansprüche und mögliche präventive Maßnahmen einging aber auch jagdliche Möglichkeiten zur Sprache kamen.

Es waren zwei anstrengende Tage, voll von geballter Information. Unbekannte Fachbegriffe erschwerten teilweise deren Verständnis wobei die Referenten stets bereitwillig Erklärungen dazu gaben verbunden mit dem Hinweis, dass man viele dieser Informationen einmal gehört haben sollte, um sich zu erinnern und zu erkennen falls man einmal auf etwas stößt, was einem unbekannt erscheint, dass es Hilfe gibt, die man dann auch in Anspruch nehmen sollte.

Text Susanne Kuhn-Urban, Foto Hans-Ulrich Endreß