Stadtjäger - Modul Fallenjagd in Schramberg/Sulgen

Der Schulungsort war klug ausgewählt, denn wer kann einem Besser die Funktion von Fallen erklären, als ein Profi – in dem Falle gleich zwei: Klaus Weißer und Uwe König und so sind die Teilnehmer des aktuellen Stadtjägerkurs in den Schwarzwald zu Fallenbau Weißer gereist, um dort beim Fachmann das Modul 7 (Fallenpraxis) zu absolvieren.

Erstellt am 01.10.2021

König warnte eindringlich vor unseriösen Fallenanbietern, die sich auf Verkaufsplattformen im Internet tummeln. „Das ist häufig schlechte Qualität“ fasst König zusammen. Und diese mache sich spätestens dann bemerkbar, wenn ein verängstigtes Tier versuche, aus der Falle herauszukommen – und es häufig auch schafft, allerdings dann mit Verletzungen, was wiederum dem Tierschutzgedanken zuwider spricht.

Uwe Weißer baut solide, stabile Kastenfallen mit ausgefeilter und vor allem leicht zu bedienender Technik. Zudem sehen die Fallen sehr wertig aus und könnten  im Garten fast schon als Möbelstück durchgehen. Zudem erhalten Käufer von Fallen  eine umfassende Einweisung die die unterschiedlichen Varianten, damit es zu keinen bösen Überraschungen kommt. 

Zunächst gilt es also, sich mit der Falle vertraut zu machen. So demonstrierte Uwe König die sehr unkomplizierte Handhabung der Kastenfalle. Auch ein Eiabzugseisen kam zu Einsatz. Hier hatte jeder Kursteilnehmer die Möglichkeit, unter der geduldigen Aufsicht von Klaus Weißer die Falle zunächst zu spannen, aufzustellen und dann wieder zu entspannen. Eine Erfahrung, die noch nicht jeder gemacht hat.

Zur Beköderung der Falle sagt Uwe König folgendes: „Im Handel werden spezielle Duftköder für teures Geld angeboten. Das ist überhaupt nicht notwendig.“ Er empfiehlt günstige Köder zu verwenden, die auch leicht selber hergestellt werden können. Wichtig ist es, dass ein außergewöhnlicher Geruch von ihnen ausgeht. Es darf keine große Menge sein, aber es muss ganz besonders interessant riechen. Wegen der  Hygiene empfehlen sich trockene Köder. Diese müssen auch nicht unbedingt in der Falle ausgelegt werden, sondern lieber als Spur zum Falleneingang.

Beispiele: Fischpellets, wenige Tropfen Anisöl oder süße Flüssigkeiten auf einen Wattebausch, getrocknete Luge vom Fallwild, andere Innereien getrocknet vom Fallwild, Frolic, Backaromen... Einen Tipp hat König auch noch: Den Köder oben in der Falle anbringen, dann ist das Tier abgelenkt tritt auf die Wippe und löst die Falle  aus.

  • Macht es dem Fuchs etwas aus, wenn die Falle nach Mensch riecht? Nein.
  • Warum gehen Füchse in  die Falle? Wegen des Duftes.
  • Riechen die Tiere Schweiß in der Falle oder lassen sich dadurch abhalten, in den Falle zu gehen?  Nein
  • Kann ein Fuchs erkennen, dass in der Falle schon mal ein  anderer Fuchs war?  Nein.

Ist das Tier in der Falle gefangen, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder in einen Abfangkorb aus Gitter locken und dann erlegen. Oder das Tier in eine geschlossene, gut belüftete Transportbox stecken und abtransportieren. Aber niemals ein Tier im Gitterkorb transportieren: Es bekommt Panik, löst sich und entsprechend sieht dann der Kofferraum aus ganz abgesehen davon dass das Tier unter Stress sehr leidet. Im Dunkeln hingegen ist es ruhig.

Herauslocken aus der Falle in den Abfangkorb: Das ist eine Geduldssache. Das Tier wird immer entgegengesetzt bzw. am weitesten entfernt vom Menschen in der Falle kauern. Als Fallenjäger muss man sich klug und durchdacht bewegen, dass das Tier in den Abfangkorb geht. „Der Fuchs dreht sich immer so, dass er einem in die Augen schauen kann“.

Beim Abfangen mit der kalten Waffe oder der Waffe muss es schnell gehen. Die Tiere sind verängstigt und kämpfen um ihr Leben und dementsprechend  aggressiv. „Ein  Stick ins Herz muss nicht gleich zum Tod führen, das Tier kämpft um sein Leben und hat entsprechend viel Adrenalin im Blut.“ Auch bei einem Schuss ins Gehirn in das Tier zwar hirntot, aber die Organe funktionieren noch eine Zeit lang.

Wo stelle ich die Falle auf?

In der Regel kann die Kundschaft ganz genau sagen, wo sie die Tiere schon beobachtet hat. Geeignet sind immer Pässe entlang von Mauern und Zäunen und die Nähe von Komposthaufen.

König rät zur größeren Kastenfalle als quasi Allrounderfalle, denn den Tieren ist es egal, wie groß die Falle ist, Hauptsache sie passen hinein.

Uwe König und Klaus weißer stellten noch weitere Fallen vor: darunter die Wieselwippbrettfalle, Bisamfallen, Schlagnetze, Käfige für Tauben und größere Käfige für Enten. Aber Vorsicht: Vögel dürfen in  Baden-Württemberg  nicht gefangen werden. Auch verbotene Fallen wurden präsentiert schon allein aus dem Grund, damit die angehende Stadtjäger wissen, auf welche Art illegaler Fallen sie stoßen könnten.

Dabei sprach König auch das Thema Vergiften von Tieren an, was durchaus an der Tagesordnung sei – aber natürlich verboten. So kämen Schlaftabletten in Leberwurst zum Einsatz und anderes - die Presse hatte berichtet. Bei solchen Vergiftungen wiederum droht die sogenannte Sekundär-vergiftung: Ein anderes Tier frisst von dem Vergifteten und vergiftet sich dann selber und so weiter.

Es muss also unbedingt unterbunden werden, dass Leute die sie störenden Tiere mit Arzneimitteln oder anderen „Geheimtipps“ vergiften. Dafür muss man den Betroffenen aber solide Hilfe anbieten wozu wir Stadtjäger prädestiniert sind.

Text und Fotos: Susann Kuhn-Urban

Zurück zur Übersicht