Stadtjäger Modul 3 - Kommunikation, Öffentlichkeitsarbeit, Konfliktmanagement

Der Kurs zum geprüften Stadtjäger geht langsam zu Ende. Mit dem Modul Kommunikation am 16. Juni 2018 und dem Modul Recht am 21. Juli 2018 haben die Teilnehmer dann alle Schulungsinhalte gemäß Ausbildungsordnung absolviert.

  • Referent Dr. Gerd Kalkbrenner

    Referent Dr. Gerd Kalkbrenner

Erstellt am 16.06.2018

Für das Modul Kommunikation stand uns erneut der sehr erfahrene Referent Dr. Gerd Kalkbrenner, der dieses Thema auch bei der Ausbildung zum Wildtierschützer an der Landesjagdschule auf dem Dornsberg vertritt, zur Verfügung.

 

Kommunikation, so Kalkbrenner, beginnt stets bevor die ersten Worte gewechselt sind. Nonverbale Signale und der sogenannte Erfahrungsrucksack den man immer mit sich herumträgt und mit dem ersten Blickkontakt anwendet bestimmen häufig wie die folgende verbale Kommunikation abläuft. Aber auch dann ist man frei von der Körpersprache. Diese kann auch deutlich vom gesprochenen Wort abweichen. Auf diese zu achten und deuten zu können ist wichtig.

 

Welche Informationen die Kommunizierenden mit einem bestimmten Begriff oder einem bestimmten Verhalten verbinden hängt von eben diesen Erfahrungen, die wir im Rucksack haben ab.

 

„Denken Sie auch daran, dass Einstellungen eine sehr stabile Sache sind. Ihr Ziel ist deshalb nicht, Ihren Gesprächspartner von Ihrer Einstellung zu überzeugen. Es ist bereits viel erreicht, wenn Sie als Stadtäger kompetent, glaubwürdig und vertrauenswürdig rüberkommen. Niemand muss Ihre Haltung teilen oder gutheißen. Aber jeder sollte erkennen können, dass Sie wissen, wovon Sie reden. Davon hängt ab, ob Sie sich überhaupt über Ihre jeweiligen Standpunkte verständigen können. Verständigen kann auch bedeuten, sich darüber zu einigen, dass man sich nicht einigt“, so Kalkbrenner.

 

Und Kalkbrenner weiter: „Bei unterschiedlichen Sichtweisen kommt ein konstruktives Gespräch nur in Gang, wenn beide Gesprächspartner das Gefühl haben, dass der jeweils andere ihre Perspektive kennt und akzeptiert. Machen Sie den Anfang und versetzen Sie sich in die Position Ihres Gegenübers. Teilen Sie ihm mit, dass manches aus seiner Perspektive sinnvoll klingt. Laden Sie ihn dann ein, durch Ihre Brille zu sehen. Besteht Einigkeit, dass keiner ganz falsch liegt, ist der Weg offen für eine Einigung.

 

Die Wahrnehmung bestimmter Sachverhalt ist geprägt von vergangenen Eindrücken - positiv wie negativ und kann aus unterschiedlichen Blickrichtungen durchaus unterschiedlich sein. Zu erkennen welche Interessen und Ziele das Gegenüber hat ist primäres Ziel jedweder Kommunikation. Sich darauf einzustellen und möglichst einen Kompromiss anzustreben hilft Konflikte einzugrenzen.

 

Ein Konflikt entwickelt sich in Stufen und man hat immer die Möglichkeit den Konflikt nicht eskalieren zu lassen. Ein Konflikt sollte möglichst in der Stufe der win-win-Situation beendet werden; win-lose oder gar lose-lose Ergebnisse sind oft nachhaltig und schwer zu bereinigen.

 

Als Jäger im Revier trifft man häufig wiederholt auf die gleichen Personen und kann sich somit leichter auf ein Gespräch einstellen. Als Stadtjäger hat man aber mit sehr unterschiedlichen und wechselnden Personenkreisen zu tun. Wenn im Revier ein freundliches Gespräch zielführend ist, so kann in der Stadt das Ziel sein, das Gespräch zu vermeiden. Ordnungskräfte oder die Polizei können hier helfen Abstand zwischen Kritikern und den Handlungen eines Stadtjägers zu bringen.

 

Als die Kursteilnehmer am Ende des Moduls gefragt wurden was sie denn jetzt aus dem Tag im Falle von kritischen Bemerkungen oder sich anbahnenden Konflikten mitnehmen werden, so überwogen die Äußerungen „Ruhe ausstrahlen, sich in die Position des anderen versetzen und zu versuchen ihn zu verstehen, den Rucksack an Erfahrungen abzulegen und unbefangen in das Gespräch gehen, auf Warum-Fragen vorbereitet zu sein und mit persönlichen authentischen Inhalten zu antworten. Dabei darf der Satz durchaus mit „Ich“ oder „Mir“ beginnen auch wenn wir das von unseren Eltern anders gelernt haben.

 

Unpersönliche, politische und allgemeingültige Antworten werden vom Gegenüber seltener akzeptziert als Antworten, die aus eigener Erfahrung stammen. Auf keinen Fall belehrend wirken. Verständliche Antworten, ohne die Verwendung von Fachbegriffen, sind angesagt!

 

Auch wenn nicht jede Kommunikation optimal verläuft, so kann man stets aus ihr lernen und hoffentlich beim nächsten Anlass das Gelernte anwenden. Wem ist es nicht schon häufiger passiert, dass er im Nachhinein festgestellt hat, dass das Gespräch ab einer bestimmten Situation anders evtl. besser gelaufen wäre wenn man das Geeignete gesagt oder das Gewisse nicht gesagt hätte.

 

Text und Fotos Dr. Hans-Ulrich Endreß

Erstellt am 07.07.2018
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