2. Zertifizierter Ersthelfer-Jagdbetrieb Kurs

Ein Kurzbericht

Erstellt am 28.05.2019

Vom 10.-12. Mai fand der zweite, bundesweit einzigartige Kurs „Ersthelfer Jagd“ statt. Der speziell auf Jägerinnen und Jäger ausgerichtete erweiterte Erste-Hilfe Kurs war, wie bereits der erste, restlos ausgebucht. Unter Prof. Dr. Hans-Ulrich Endreß vom Jagd- Natur- und Wildtierschützerverband Baden-Württemberg (JNWV-BW) konnte die Ausbildung an der Jagdschule Roscher in Gammelshausen abgehalten werden. Als Referent und Lehrgangsleiter wurde Matthias Schmidberger von der Alpine Meducate eingeladen, der aus seiner 20 Jährigen Berufserfahrung als Notfallsanitäter unzählige Beispiele liefern und die Fragen der Teilnehmer souverän beantworten konnte. Insgesamt sind 14 Teilnehmer aus verschiedenen Bundesländern angereist, um von diesem einmaligen Kursangebot profitieren zu können.

 

Nach der Begrüßungsrede von Prof. Endreß und der Einführung von Herrn Schmidberger, ging es mit einer kurzen Vorstellungsrunde der wissbegierigen Teilnehmer los. Auf Nachfrage, wann jeder Beteiligte denn seinen letzten Erste-Hilfe-Kurs absolviert hätte, kamen doch erstaunliche Ergebnisse wie 1 Jahr bis 20 Jahre ans Tageslicht, was alle kurzzeitig zum Nachdenken veranlasste. Der Referent wollte die Bedeutung der Ersten-Hilfe, insbesondere dieser „erweiterten“ Erste-Hilfe Ausbildung für Jägerinnen und Jäger nahebringen. Während der normale Kurs, wie man diesen etwa vom Führerschein kennt nur 9 Unterrichtseinheiten (UE) umfasst, ging es hier mit 20 UE um weitaus mehr als nur um das Vorgehen bei Notfällen und den Basic-Life-Support. Matthias Schmidberger machte allen klar, welchen Risiken und Umgebungen ein Jäger sonst ausgesetzt ist. Zum Einen ist die Verletzungsvielfalt doch sehr hoch, denn vom Sturz von der Kanzel, blutigen Schuss-und Bisswunden oder durch die Motorsäge, auch durchaus internistische Probleme, wie z.B. Herzinfarkt oder der Anaphylaktische Schock einem begegnen können. Zudem befinde man sich primär im Wald wo der Rettungsdienst nicht gerade um die Ecke wartet und optimal erreichbar ist wie in einem Wohngebiet. Spätestens jetzt wurde jedem bewusst wie dringend diese Schulung ist, um im Ernstfall anderen aber auch sich selbst helfen zu können.  

 

Der Unterricht war methodisch erstklassig aufgebaut und bot neben dem Theoretischen Stoff genügend Zeit alles in die Praxis umzusetzen. An Fallbeispielen aus dem Ernstfall musste jeder Teilnehmer einmal die Opfer- und einmal die Ersthelferrolle übernehmen. Dabei sollten nur die Sachen aus dem Medipack verwendet werden. Am Verbandsmaterial wurde nicht gespart, um die realitätsnahe Patientenversorgung simulieren zu können. Zunächst in den Schulräumlichkeiten von Matthias Roscher, dann zwei Tage lang im Freien, ohne Rücksicht auf das Wetter. Mit grosser Neugier, viel Spaß und Freude, jedoch mit Ernsthaftigkeit und Konzentration traten alle heran. Eine gewisse Anspannung lag dennoch in der Luft. Jedem war bewusst, dass Zeit über Leben und Tod entscheidet. Das hat Matthias Schmiedberger oft genug betont. Die schnelle Diagnose und das unmittelbare richtige Handeln, wie die Erstversorgung bis hin zum Einschalten der Rettungsleitstelle, war das Übungsziel dieses Seminars. Jeder durchgespielte Einsatz wurde umgehend analysiert und eingebrachte Verbesserungsvorschläge diskutiert.

 

Selbstverständlich gehörte auch die Reanimation als wichtiger und abschließender Teil des Kurses dazu. Dabei erklärte Herr Schmiedberger verständlich den Unterschied zwischen Atemstillstand und Herzstillstand. An zwei Reanimations-puppen konnte so lange geübt werden, bis jeder ein sicheres Gefühl für den Rhythmus und Druck für die Herzdruckmassage gefunden hat. Zusätzlich wurde noch der Umgang mit dem Defibrillator erklärt und vorgeführt. Damit wurde nun jedem die Angst, so ein Gerät im Ernstfall anwenden zu können, vollkommen genommen.

 

Fazit:

Der Kurs war fachlich, didaktisch sowie organisatorisch überragend. Die anfänglichen Berührungsängste der Teilnehmer und die Unsicherheit, Menschen im Ernstfall nicht helfen zu können, konnten abgelegt werden. Die Tragweite dieses Themas wurde auf eine beeindruckende Weise nahegelegt, da all das Erlernte nicht nur jagdlich angewendet werden kann, sondern genauso in anderen Alltagssituationen. Für Jäger sollte diese Schulung, wie der Schießnachweis, zur Pflichtveranstaltung werden.

 

Text: Dr. Marek A. Meder, Freiburg, Wildtierschützer (JNWV-BW)

Fotos

Erstellt am 28.05.2019
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