...es geht wieder los!

Revierhegemeister Kurs 2021/2022 startet am 03.07. mit dem Modul Anschussseminar.

Erstellt am 04.07.2021

Im schönen St. Blasien im Südschwarzwald trafen sich 14 angehende RevierhegemeisterInnen sowie andere interessierte Jäger und Jägerinnen zum Anschuss-Seminar – durchgeführt vom Team um Hubert „Hubi“ Kapp und Stefan Mayer von der Schweißhundestation Südschwarzwald. Mit ihren vier Gespannen und vom Landesjagdverband als Nachsuchenführer anerkannt, führen sie bis zu 550 Nachsuchen jährlich durch. Profis, die wissen, wovon sie berichten. Und dieses Wissen rund um das richtige Verhalten vor und nach dem Schuss sowie Profitipps geben und gaben die beiden mit ihrem Team gern an die Anwesenden weiter, getreu dem Motto: „Aus der Praxis, für die Praxis“.
Immerhin fallen auf der Jagd im deutschsprachigen Raum weit mehr als drei Millionen Schüsse auf Schalenwild – jährlich. Und wer kennt diese Situation nicht: Der Ansitz in der Dämmerung verspricht Jagderfolg. Das Stück tritt aus, nach der Ansprache wird das Stück gezielt beschossen, es zeichnet und springt ab. Jetzt schwirren einem tausend Fragen durch den Kopf und eine Anschusskontrolle kann für viele Stress bedeuten. In diesem Fall ist es wichtig, dass sich der Schütze entsprechend richtig verhält, insbesondere, wenn nicht gerade jede Menge Schweiß am Platz liegt. Denn nur eine ordentlich durchgeführte Anschussuntersuchung und die richtigen Entscheidungen können tierschutzgerechtes und unnötiges Leiden des Wildes vermeiden.
Die wesentlichen Inhalte des kurzweiligen und im höchsten Maße lehrreichen Seminars waren im Theorieteil am Vormittag die Themen „Rund um den Schuss“ (Schussfeld und Schussbedingungen, Schussabgabe und das Verhalten nach dem Schuss), „Ausrüstungsfragen“ (Waffe, Kaliber und Geschoss, Zieloptik und weitere wichtige Hilfsmittel) sowie „Anschussuntersuchung“ (Pirschzeichen finden und richtig deuten). Besonders intensiv wurde dabei auf den nötigen Kugelfang und die oftmals falschen Einschätzungen von Schussentfernungen eingegangen. Außerdem haben Hubert und Stefan sehr großen Wert darauf gelegt bestimmen zu können, an welcher Stelle des Wildkörpers das Stück beschossen wurde. Auf diese Weise lässt sich das Ausmaß der Verletzung und damit die Dauer der Nachsuche einschätzen. Beide Nachsucheprofis betonten während des Seminars immer wieder, dass die vordergründige Suche nach Schweiß nicht das Entscheidende an der Anschussstelle ist, sondern dass auch andere Pirschzeichen berücksichtigt werden müssen. Die Suche danach gleicht einem Krimi – wobei auch dieser Teil der Jagd etwas ist, was jeder Jagende erlernen kann und auch erlernen sollte. Während des gesamten Seminars wurden lang gehegte Traditionen von beiden Referenten immer wieder kritisch hinterfragt und so manch alter Zopf abgeschnitten.


Der sehr gut vorbereitete Praxisteil fand im Revier nebenan statt. Dort erlebten die Teilnehmenden buchstäblich am eigenen Leib die Nachsuche in der Praxis. Ziel war es, den angehenden Revierhegemeistern zu zeigen, wie sie einen Anschuss richtig deuten, um auf der einen Seite dem beschossenen Stück unnötige Leiden zu ersparen beziehungsweise auf der anderen Seite hochwertiges Wildbret vor dem Verderben zu bewahren.
Eingeteilt in Vierergruppen sollten die Seminarteilnehmenden an vier Ausbildungsstationen vor Ort die Anschussstelle bestimmen und auf Pirschzeichen untersuchen. Gesucht wurde nach Merkmalen am Boden und im Grünen, wie zum Beispiel Eingriffe, Kugelschlag sowie vom Stück stammende Teile (Knochen- und Gewebeteilchen, Schwarte, Decke, Borsten und dergleichen) – und natürlich auch nach Schweißspuren. Mit diesem Wissen wird der Jäger später am Ort des Geschehens in der Lage sein, Pirschzeichen und Fährten lesen und verstehen zu können.
Das Seminar hat gezeigt, dass die Indizienkette, die berücksichtigt werden muss, lang ist: Wo stand der Schütze zum Zeitpunkt der Schussabgabe, Wo stand das Wild? Welche Wildart wurde beschossen? Welche Munition wurde verwendet und wie wirkt diese auf den Wildkörper. Wie zeichnete das Stück, welche Farbe und Beschaffenheit hat der Schweiß, und welche Pirschzeichen sind noch zu finden? Erst die Summe aller gesammelten Informationen ermöglicht es dem Schützen den Treffpunkt näherungsweise zu bestimmen und das weitere Vorgehen bei der anstehenden Nachsuche abzuwägen und die entsprechenden Schritte einzuleiten.
Zum Schluss dieses praktischen Reviernachmittages wurde ein Wildkörper vor einer aufgespannten weißen Kunststofffolie beschossen. Obwohl es sich bei dem Stück um bereits aufgebrochenes Fallwild handelte, war die Splitterwirkung, hervorgerufen durch Geschoss-, Knochen- und Gewebeteile, sehr groß. Es war für alle Beteiligten gut vorstellbar, was sich, angesichts der perforierten Plastikfolie, hinter einem beschossenen Stück Wild alles abspielt und weshalb es so wichtig ist, dass nur Wild beschossen wird, in dessen Hintergrund sich weder ein weiteres Stück noch Treiber, Hundeführer oder dergleichen aufhalten. Die Folge wären ansonsten möglicherweise schwerste ungewollte Verwundungen.
Unser Dank, am Ende dieses wunderbaren Seminartages, gilt dem ganzen Team der Schweißhundestation Südschwarzwald, dem Team des Wirthauses Silva Nigra und dem Jagd-Natur- und Wildtierschützerverband Baden-Württemberg e.V.
Das Fazit dieses Anschuss-Seminares, was von jedem Jagenden unbedingt besucht werden sollte, lautet: Wer den Anschuss lesen kann, ist im Vorteil. Oder anders formuliert: Wer den Anschuss richtig lesen kann, der verhält sich danach auch richtig – und leistet so seinen Beitrag zum Tierschutz. Dieses gilt für alle Jagenden, aber ganz besonders für uns Wildtierschützer in Baden-Württemberg.
Text: Andreas Beensen

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