Revierhegemeister Modul Naturschutz

Der Naturschutz steht bei uns im Verband gleichberechtigt im Namen zwischen der Jagd und dem Wildtierschutz und ist für die Wildtierschützer eine sehr wichtige Aufgabe da diese sehr stark mit der Hege und der Schaffung wildtiergerechter Lebensräume zu tun hat.

  • Alexander Schindler

    Alexander Schindler

Erstellt am 06.09.2021

Auch die Öffentlichkeit nimmt uns Jäger positiv wahr wenn wir über Naturschutzprojekte berichten, sei dies durch Anlegen eines Feuchtbiotops, eines Insektenhotels oder auch durch Ausmähen von Auenlandschaften. Mit diesen Maßnahmen schaffen wir Lebensräume, die von Mensch und Wildtier gleichermaßen positiv wahrgenommen werden.

Wir durften am 04. September 2021 wieder Gast im Naturzentrum Rheinauen der Gemeinde Rust sein wo uns der Leiter des Naturzentrums Alexander Schindler begrüßte und in einem ersten theoretischen Teil über die Europäische, Deutsche und Baden-Württembergische Naturschutzgesetze informierte.

Naturschutz findet zwar regional seine praktische Umsetzung ist aber eingebunden in überregionale, ganz Europa einschließende Aktivitäten. Wir erfuhren von Alexander Schindler über die verschiedenen Verantwortlichkeiten in Baden-Württemberg und die verschiedenen Stufen der Schutzgebiete vom Naturpark Schwarzwald mit der höchsten Schutzstufe verbunden auch mit den strengsten Auflagen über FFH-Gebiete und den Einfluss der Vogelschutzrichtlinie bis hin zum Naturdenkmal mit dem geringsten Gewicht aber dennoch mit besonderem Schutz.

Diese verschiedenen Schutzgebiete haben auch Einfluss auf das was Landwirte und Jäger dort tun dürfen. Wenig beachtet ist das Verschlechterungsverbot in den FFH-gebieten, die zunehmend von den Landratsämtern auch auf Druck durch die EU inspiziert und der Naturschutzzustand kontrolliert wird. Sollte eine Verschlechterung festgestellt werden, so muss der Grundstückeigner den früheren, besseren Zustand umgehend wieder herstellen.

Naturschutz, so betonte Alexander Schindler, ist nicht der Mitgliedsbeitrag in einem großen Naturschutzverband sondern es sind die aktive Naturschutzarbeit in der Fläche und wer ist hierfür besser gerüstet als wir Jäger. Fördermittel stünden zudem ausreichend zur Verfügung und werden teilweise nicht einmal ausgeschöpft. Für uns sollte auch die aktive Mitwirkung beim Wildtiermonitoring sein, dessen Ergebnisse dann in den 3-jährigen Wildtierbericht einfließen. Dieser Wildtierbericht ist die Stimme der Jäger gegenüber den Zahlen der Hobby-Zoologen und Hobby-Ornithologen der Naturschutzverbände. Nur wer Zahlen und Fakten hat kann argumentieren und wird gehört! Aber dazu ist es unerlässlich, dass auch wir Jäger nicht nur die Tierarten kennen, die dem Jagdrecht unterliegen - häufig kennen wir nur die Wildtiere der Nutzungsschale - und dafür ist Weiterbildung, wie wir sie beim Revierhegemeister Kurs handhaben vorbildlich, so Alexander Schindler.

Nach einer kurzen Stärkung mit Fleischkäsweckle vom ortansässigen Metzger ging es hinaus in das FFH- und Naturschutzgebiet rund um die Stadt Rust in den Rheinauen. Auf Grund guter finanzieller Möglichkeiten und dem Willen zum Naturschutz macht die Stadt Rust eine vorbildliche Arbeit in Sachen Naturschutz. Wenigen, die den Europapark besuchen dürfte dies bekannt sein. Die Stadt Rust besitzt und kauft Flächen auf denen dann die Naturschutzprojekte umgesetzt werden können. Daneben gibt es den Bannwald in welchem nur Wegesicherung betrieben werden darf und auch die Forstwirtschaft ruht. Bekannt sind die Streuobstwiesen, die derzeit ständig erweitert werden aber auch die Magerwiesen mit ihrem reichhaltigen Vorkommen an Orchideen.

Die Rheinauen zwischen Rhein und Elz in ihrer heutigen Form sind auch keine originäre Naturlandschaft sondern von Menschenhand erschaffen im Rahmen der Rheinbegradigung durch den Karlsruher Ingenieur Johann Gottfried Tulla, der den Rhein durch viele Durchstiche begradigte Land schuf, Gefahren beseitigte und die Schifffahrt ermöglichte und anschließender Schutzmaßnahmen. In den Rheinauen, gesäumt von Dämmen kann sich der Rhein bei Hochwasser ausdehnen und so das Rheinhochwasser flussabwärts reduzieren.

Eine weitere Besonderheit der Taubergießen (Bestandteil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000) sind aber auch die Quelltöpfe, die Nährstoffarmes daher „taubes“ Grundwasser an die Oberfläche führen in denen kein tierisches Leben ist.

In diese Taubergießen auf der Elz führte uns dann die abschließende Bootsfahrt bei der uns die Bootsführer, alles Angehörige der alten Fischerfamilien über die Geschichte und das Leben in diesem einmaligen Schutzgebiet informierten. So konnten wir das Naturschutzgebiet nicht nur von der Land- sondern auch von der Wasserseite kennen lernen und einige von uns sahen zum ersten Mal einen Nutria. Leider konnten wir keine Eisvögel sehen, die dort beheimatet sind.

Am Ende der fast 2-stündigen Bootsfahrt wurde es nochmals richtig aufregend, als einer unserer Teilnehmer bewusstlos über Bord gegangen ist. Die anderen Bootsinsassen konnten ihn aber sehr schnell und geistesgegenwärtig zurück ins Boot ziehen wo er von einem Ersthelfer aus unseren Reihen (Teilnehmer des letzten Kurses „Ersthelfer Jagd“) erstversorgt wurde. Noch vom Boot aus wurde der Rettungsarzt gerufen, der dann auch schnell eingetroffen ist. Unser Jagdkamerad wurde dann ins Krankenhaus gebracht aus welchem er aber noch am selben Abend entlassen werden konnte. Wir wünschen ihm gute Besserung!

So fand ein schöner Ausbildungstag in welchem wir viel über Naturschutz und unsere Möglichkeiten als Jäger gehört haben doch noch ein glückliches Ende.

Text und Fotos: Hans-Ulrich Endreß

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