RHM Modul Jagdgebrauchstiere und Brauchtum

Auf Burg Hohen Neuffen traf sich der Revierhegemeister Kurs des Jagd - Natur - Wildtierschützerverband Baden-Württemberg e.V. am 3. Juli 2016 zu den Modulen Brauchtum und Beizen, letzteres als Teil des Moduls Jagdgebrauchstiere.

Erstellt am 03.07.2016

Den Auftakt bildeten die Jagdhornbläser, die die übrigen Teilnehmer mit Hornsignalen begrüßten.


In einem sehr anschaulichen und auf Dialog ausgerichteten Vortrag berichtete die Referentin K. Maier über „Brauchtum - damals bis heute“, wobei ein weiter Bogen gespannt wurde von den verschiedenen Arten von Brauchtum, die unser Leben begleiten, nicht nur das der Jagd sondern auch aus anderen Motiven wie Lebenslauf, Jahreslauf, Kirchenjahr; dabei wurden die Einflüsse von Mythologie und Religion auf das Brauchtum ebenso angesprochen (The Golden Bough: A Study in Magic and Religion von Sir James George Frazer) wie die von ritualisierten Formen der Berufsstände und Verbände - Brauchtum als Ausdruck von Tradition.

Ursprünglich diente das Jagen ausschließlich der Nahrungsmittelbeschaffung - auch nachzulesen im 1. Buch Mose, Kapitel 27: „Und es sprach Isaak zu Esau: Nimm deine Waffen, Köcher und Bogen und geh´ hinaus und wenn du etwas erjagt hast so mach mir davon ein essen wie du weißt, dass ich es gern habe und bring es, dass ich es esse und dich segne ehe ich sterbe“.


Von Anbeginn unterliegt Brauchtum dem kulturellen Wandel und so ganz besonders auch das Jagdliche Brauchtum. Jagdhornsignale und Bruchzeichen waren notwendige Verständigungsinstrumente und wurden seit einiger Zeit durch Mobiltelefone (dort wo man Empfang hat J ) abgelöst. Jägersprache bedeutete Zusammengehörigkeit in einem Berufsstand und sollte auch nicht unbedingt von allen verstanden werden. Heute sind wir bemüht die Jägersprache den nicht-jagenden aber Natur-interessierten Mitmenschen näher zu bringen, wobei eine gute Portion Jägerlatein dazu gehört!


Waidgerechtigkeit, ein wesentlicher Ausdruck des Brauchtums, ist in § 8(1) des Jagd- und Wildtiermanagementgesetzes von Baden-Württemberg definiert:

„§8(1) Waidgerechtigkeit ist die gute fachliche Praxis der Jagdausübung. Eine Jagdausübung ist nur waidgerecht, wenn sie allen rechtlichen Vorgaben sowie allen allgemein anerkannten, geschriebenen oder ungeschriebenen Regelungen und gesellschaftlichen Normen zur Ausübung der Jagd, insbesondere im Hinblick auf den Tierschutz, die Tiergesundheit, den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen, das Verhalten gegenüber anderen Inhaberinnen und Inhabern des Jagdrechts, jagdausübungsberechtigten Personen und der Bevölkerung sowie im Hinblick auf die Jagdethik, entspricht.“  


Geläufiger mag manchem Jäger der Text von Oskar von Riesenthal, überschrieben mit Waidmannsheil, sein:  

Das ist des Jägers Ehrenschild, dass er beschützt und hegt sein Wild, Waidmännisch jagt, wie sich’s gehört, den Schöpfer im Geschöpfe ehrt!

Das Kriegsgeschoss der Hass regiert, - die Lieb’ zum Wild den Stutzen führt: Drum denk’ bei Deinem täglich Brot ob auch Dein Wild nicht leidet Noth?

Behüt’s vor Mensch und Thier zumal! Verkürze ihm die Todesqual! Sei außen rauh, doch innen mild, dann bleibet blank Dein Ehrenschild!  


Moralische und ethische Verpflichtungen, Respekt vor der Schöpfung, den Wildtieren und der Natur gehören ebenso zur Waidgerechtigkeit wie Sicherheitsaspekte vor dem Schuss.


Im Anschluss an diese ethischen Betrachtungen ging die Referentin auf die Vorbereitung und Durchführung von Gesellschaftsjagden - damals und heute - ein, wobei Sicherheitsaspekte ebenso angesprochen wurden wie das Totverblasen und das traditionelle Streckelegen - heute aus hygienischen Gründen häufig ersetzt durch eine symbolischen „Strecke“ bestehend aus je einem Vertreter der erlegten Tierart.


Mit viel Liebe widmete Frau Maier sich den Themen Trophäen aber unter dem Motto „De facto ist die Trophäe in dem Moment fragwürdig, in dem sie zum eigentlichen Motiv / Zweck der Jagdausübung wird!“ und den Reflexionen jagdlichen Brauchtums in Jagdliteratur, Jagdmusik und Jagdmalerei.


Zur Waidgerechtigkeit gehört natürlich auch die Weiterbildung und hier sind die Ausbildungen zum Wildtierschützer / Jagdaufseher und zum Revierhegemeister gute Möglichkeiten.


Das Modul wurde abgerundet durch Vortrag der Jagdhornbläser, die eine komplette Jagd in Form von Jagdhornsignalen zum Besten gaben von der Begrüßung über Leitsignale und um Totverblasen einer Strecke bis Jagd vorbei und Schüsseltreiben „Zum Essen“. Danach folgte ein praktisches Üben der Bruchzeichen.


Nach einem vorzüglichen Mittagessen im Restaurant der Burg Hohen Neuffen referierte der Falkner Wolfgang Weller zum Thema Falknerei und Beizjagd. Seit über 40 Jahren betreibt Herr Weller dieses jagdliche Handwerk, züchtet Greifvögel und betreibt die Schaufalknerei mit seinen Knappen auf der Burg Hohen Neuffen.


Wolfgang Weller ist mit Leib und Seele Falkner und gibt dieses Wissen an seine Schüler weiter. Aufbauend auf großer praktischer Erfahrung erläuterte er die Haltung und Zucht von Greifvögeln, die verschiedenen Jagdarten mit den Greifen, wofür welche Greifvogelart am besten geeignet ist und welche Eigenarten die verschiedenen Greifvögel auszeichnen. Auch die Kombination von Frettieren mit der Falknerei kam zur Sprache.


Abschluss des Moduls war die Vorführung der Greife im Rahmen der Schaufalknerei.

Die Teilnehmer wurden dann von den Jagdhornbläsern verabschiedet.


Text und Fotos - Prof. Dr. Hans-Ulrich Edress

Zurück zur Übersicht