RHM Modul Naturschutz - Sept. 2019

Das Modul Naturschutz zog alle Teilnehmer in das bekannte Naturschutzgebiet in Rust. Bekannt ist dieses Gebiet auch wegen dem größten Freizeitpark Europas.

Erstellt am 14.10.2019

Dem Europapark. Hier stößt das Wunder der Natur mit seiner ausdrucksstarken Ruhe auf eine von Action suchenden Menschenmasse, die auf ihre Art die Seele baumeln lassen will. Es scheint zu funktionieren.

Alexander Schindler ist der Leitende des Naturzentrums Rheinauen. Er selbst ist passionierter Jäger, der auch die Prüfungen der angehenden Jungjäger abnimmt. Eigentlich aus einer Fischerfamilie entstammt, hat er sich eher dem Wild als dem Fisch zugezogen gefühlt. Neben organisierten Führungen und Vorträgen gibt Herr Schindler auch regelmäßig Unterricht für Schulklassen zum Thema Natur und Waldbiologie. Am 28. September 2019 sind die aufstrebenden Revierhegemeister zu Gast in Rust.

Zunächst verschafft Herr Schindler einen Überblick über die politische bzw. behördliche Aufstellung der Naturschutzverwaltung, wobei das Ministerium als oberste Naturschutzbehörde gilt und für die Umsetzung von NATURA 2000 dem Schutzgebietsnetzt der Europäischen Union zuständig ist. Dann geht er direkt in das Thema der biologischen Vielfalt, auch unter Biodiversität bekannt, über. Ökosysteme, Artenvielfalt und genetische Vielfalt innerhalb der Arten stehen hinter diesem Begriff. Diese ist so wichtig, da sie die Lebensqualität und Lebens-und Überlebensgrundlagen liefert. Frische und saubere Luft, sowie wirtschaftliche Nutzung wie Land- und Forstwirtschaft. Doch sie ist bedroht. Dahinter steckt der Bau von Siedlungen und Infrastrukturen, Abholzung, Überfischung und die sehr intensive, industrielle Landwirtschaft, wie Alexander Schindler sagt.

Es gibt unterschiedliche Schutzgebiete. Vom Naturschutzgebiet bis zum Waldschutzgebiet, die sich nach Schutzzweck, Rechtsgrundlage und zuständiger Verwaltungsebene unterscheiden. Nationalpark, Biosphärengebiete, Landschfts-schutzgebiete, gesetzlich geschützte Biotope, FFH- und Vogelschutzgebiete sowie die Ramsar-Feuchtgebiete, sind ein Teil dieser Vielzahl. Letztere sind sogar von einer internationalen Bedeutung, da diese nach der Ramser-Konvention (dem ältesten und bedeutendsten globalen Naturschutzabkommen) mit 168 Staaten insgesamt, 2187 Gebiete einschliesst und 208 Millionen Hektar (August 2014) umfasst. In Baden-Würrtemberg sind es drei Ramsar-Gebiete, wobei das Ramser-Gebiet Oberrhein/Rhin supérieur unter Baden-Württemberg und dem Elsaß aufgeteilt wird (25117 / 22413 Hektar). Die Teilnehmer sollten dieses an jenem Tag genau kennenlernen.   

Nach einer Pause, im Anschluß an den Vortrag sollte es per Pedes zwei Stunden durch das Naturschutzgebiet gehen. Doch zunächst gab es eine Stärkung für alle. Organisatorisch bestens durchdacht, wurden alle mit warm gelieferten Fleischkäs-Wäckle und kühlen Getränken versorgt. Frisch gestärkt konnte die Tour beginnen.

Die Tour führte durch Streuobstwiesen bis zum Rheindamm. Immer wieder legte Alexander Schindler einen Stopp ein, um den aktuellen Standort zu beschreiben. Auf dem Rheindamm erzählte er, wann und warum dieser angelegt wurde. Die unzähligen Überschwemmungen waren früher dramatisch und führten bei vielen sogar zum Existenzverlust, was diese Menschen damals, im 19-ten Jahrhundert,  dazu gezwungen hat ihre Heimat zu verlassen. Das Gebiet ist heute mit seinem Rhein zum Anziehungspunkt für viele geworden. Bei Hochwasser zieht es unzählige an den Damm. Das Hochwasser treibt das Wild aus dem Wald direkt auf den Damm. Hier kann man das erschöpfte Wild in Mengen betrachten, so Alexander Schindler nachdenklich. Es sind jedoch nicht die Touristen, die sich dem Naturschauspiel nähern. Es sind einheimische, aus der Region stammende Menschen, denen diese Situation bekannt ist.

Bei einem weiteren Stopp erzählte Herr Schindler von der Orchideen-Vielfalt in ihrem Gebiet. Diese sorgten dieses Jahr bundesweit für Schlagzeilen. Unzählige Orchideen, jedoch in einem vierstelligen Bereich liegend, wurden gestohlen. Zumindest dem Boden entnommen. Es wurde nach dem Vorfall schwer gestritten. Für die Einen müssen es Personen gewesen sein, die in einer Nacht und Nebelaktion diese Menge ausgegraben hat. Für die Anderen, und dazu zählt sich Alexander Schindler, waren es ganz klar Wildschweine. Ob diese Geschmack an den Blumenzwiebeln gefunden haben, oder eine Reisegruppe mit dem Bus vorfuhr und dem Klappspaten zu Gange war, bleibt ungeklärt. Die Täter konnten jedenfalls bis heute nicht gefasst werden.

 

Abschliessend führte die Route durch Amerika. So wird ein Teil des Gebietes genannt, von dem die damaligen Bewohner und Betroffenen der Überschwemmungen in die Boote gestiegen sind und den langen Weg des langen Rheins auf sich nahmen, um von Rotterdam nach Amerika auszuwandern. Heute wird hier vorwiegend Mais angebaut. An dieser Stelle verabschiedete sich Alexander Schindler von allen Teilnehmern und wünschte noch viel Freude für die anstehende Wassertour. Denn es sollte noch weitere zwei Stunden per Boot durch das Berühmte „Taubergiessen“ gehen.

Mit zwei Booten ging es durch einen 7 km langen Streckenabschnitt. Die Boote wurden von den traditionellen Fischern geführt. Die lange Fahrt über haben die Führer eine Menge zu berichten. Sie kennen jeden Winkel des Wasserweges und jeden Bau der Nutrias. Auch über die Anzahl der Storchfamilien und Eisvögel wissen sie bestens Bescheid. Unzählige Zugänge zum Wasser durch Wild, vor allem Schwarzwild, sind zu beobachten. Es müssen Unmengen an Schwarzwildvorkommen sein, was der Fischer bestätigte. Auch die damaligen Bootsstellen, an denen die Menschen ihre Heimat verlassen haben, waren zu sehen. Die Fahrt war phänomenal. Glasklares Wasser ermöglichte auch den Anblick unterschiedlicher Fischarten und das warme, sonnige Wetter sorgte für trocken gebliebene Kleidung.

Doch auch dieser Tag nahm gegen Abend sein Ende. Es wird für alle ein unvergesslicher Tag bleiben, da waren sich alle einig. Ein ausgesprochenes Lob an alle beteiligten Organisatoren muss daher betont werden. Ein tolles Modul.

Text: Dr. Marek A. Meder, Freiburg (JMWV-BW)
Foto: Dr. Hans-Ulrich Endreß (JNWV-BW)

Erstellt am 14.10.2019
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