RHM Modul Wildbewirtschaftung 2, Wildschäden

Am 28. September konnten wir uns zur zweiten Weiterbildung nach der Corona Pause treffen, um mit einem weiteren Modul die Ausbildung zum Revierhegemeister fortzusetzen. In kleinerer Besetzung trafen wir uns diesmal im Gasthof Wilder Mann in Bösingen.

  • Referent Knut Wälde

    Referent Knut Wälde

Erstellt am 30.09.2020

Als Referent war Knut Wälde, pensionierter Landwirtschaftsdirektor,  Landesobmann Landwirtschaft und Wildschäden beim LJV,  Kreisjägermeister, als Wildschadensschätzer Referent eingeladen. Über 80 Jahre alt, ist er immer noch fast täglich als Wildschadensschätzer und  als Vermittler im zwischen Jagdpächtern und Bauern unterwegs. Themen des Vortrages in Bösingen waren:

-              Wildschäden erkennen, bewerten und vermeiden

-              Schadensanmeldung, Geltendmachung und Ersatzpflicht

-              Anerkennung zur Wildschadensschützerin / zum Wildschadensschützer

-              Die gesetzlichen Änderungen im Wildschadensrecht gemäß JWMG 2020

Da Wildschadensschätzer Baden Württemberg weit tätig seien dürfen, ist Knut Wälde bei über 70 beurteilten Wildschäden pro Jahr zwischen Heilbronn und Konstanz tätig. 

Zunächst besprach Knut Wälde die verschiedenen schadensersatzpflichtigen Pflanzenarten und deren Wachstumsansprüche. Gleich zu Beginn stellte er klar, von welchem Wild Ersatz für Schäden vom Pächter ausgeglichen werden muss und zwar nur von Schalenwild und Wildkaninchen. Erhebliche Schäden können Tiere verursachen, die nicht im JWMG als Schalenwild oder Wildkaninchen aufgeführt sind, dieses sind zum Beispiel:

-              Mäuse und Ratten

-              Vögel (insbesondere Tauben und Gänse)

-              Steinmarder (an Autos)

-              Biber, Waschbär und Dachs

-              Wolf, Luchs und Fuchs

Kenntnisse der durch diese Tiere verursachten Schäden sind notwendig, um z.B. beurteilen zu können, ob ein Schaden im Mais durch einen Dachs [keine Wildschadensersatz] oder ein Wildschwein verursacht wurde [Schadensersatzpflichtig!]. Den Dachs nehmen die Jagdgenossenschaften gerne mit in den Pachtvertrag mit rein, weil er auch Schaden in den Maisschlägen, die immer mehr werden, verursachen kann und dann bezahlt werden sollen. Ein Wildschaden kann auf jedem Grundstück auftreten, das zu einem gemeinschaftlichen Jagdbezirk ge-hört (§ 53 Abs. 1 JWNG ). Schäden können die unterschiedlichsten landwirtschaftlichen Nutzungsformen betreffen wie:

-              Grünland [Nutzung durch Beweidung oder Grasschnitt]

-              Ackerbau

-              Waldbau und Weinbau

Betrachtet wurden in dem Vortrag die Schäden im Grünland und im Ackerbau. Dabei ging er ebenso auf Düngung, Vorfrucht und Fruchtfolge, Pflanzenkrankheiten und Entwicklungsstadien wie auf Hektar-Erträge und Marktpreise ein. Nicht jeder Wildschaden müsse ein Nachteil sein. Eine leichte Schädigung der keimenden Weizenkörner könne sogar zu einer verstärkten Bildung von Austrieben führen. Der Wildschadenschätzer muss zudem erkennen können, ob die Frucht uneingeschränkt vermarktungsfähig ist. 

Nicht jede Tierart macht bei derselben Pflanze denselben Schaden. Rehe im Raps sind meist problemlos; dieselbe Anzahl Damwild kann jedoch zu einem großflächigen Totalausfall der Ernte führen. Wildschweine bilden häufig mehrere, größere Kessel im Raps.  Zudem sei eine Schadensschätzung im Raps nicht einfach; Raps verhakt sich schnell und reifer Raps fällt schnell aus. Eine Begehung kann dann zusätzlichen Schaden verursachen: beim Begehen der Fläche entsteht ein Schaden, der beim Wildschadenschätzen schnell den Wildschaden erreichen kann. Das Problem der Schätzung löst er häufig wie folgt. Ein nicht geschädigter Teilbereich wird geerntet, ein identisch großer geschädigter Teilbereich wird ebenfalls gedroschen, der Gewichtsunterschied ergibt den Schaden.

Den Teilnehmern wurde schnell klar, dass es für einen Wildschadenschätzer unabdingbar ist, sich mit diesen Themen intensiv zu beschäftigen, um Schadensbilder im Feld richtig einschätzen zu können. Denn nicht alles was sich als Schaden darstellt muss ein schadensersatzpflichtiger Wildschaden sein. Schäden auf land- oder forstwirtschaftlich genutzten Flächen können eine Vielzahl von Ursachen haben, ohne das ein Bezug bei den Schäden durch Wildtiere vorhanden ist:

-              Witterung (Trockenheit, Frost, Sturm, Hagel, Regen, Schnee…)

-              Lage des Grundstücks (Schatten, Kuppe, Niederung)

-              Bearbeitungsschäden durch den Landwirt (Maschinen, Herbizide)

-              Menschen (Freizeit Aktivitäten – z. B. Motorräder)

-              Krankheiten (z. B. Pilze)

Die Bewertung der Schadenshöhe ist ebenfalls nicht einfach - denn nicht jeder Quadratmeter hat denselben Ertrag und nicht jeder Ertrag hat denselben Marktwert. Interessant war auch für die Schätzung wie viel Pflanzen auf einer Fläche von einem Hektar Fläche wachsen, z.B. Mais 100.000, Kartoffeln 40.000 Stück.

Bei Grünlandschäden verursacht hauptsächlich von Wildschweinen ist die Schätzung schwieriger, da die Grasfläche von ihnen regelrecht umgepflügt werden kann. Dann kommen Ernteausfälle und die Wiederherrichtung der Wiese dazu.

Der Tag war sehr kurzweilig und die Anwesenden haben vieles erfahren, was selbst für die langjährigen Jagdscheininhaber, neu war.

Text:  Peter Braun
Fotos: Peter Braun + Hans-Ulrich Endreß

Erstellt am 30.09.2020
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