RHM Modul Wildbewirtschaftung II Wildschaden

Wenn sich fundiertes Wissen, langjährige Erfahrung, Lebensweisheit und etwas Schlitzohrigkeit beim Thema Wildschaden in einer Person vereinen - dann ist das Landwirtschaftsdirektor a.D. Knut Wälde. Ihn konnte der Jagd - Natur -Wildtierschützerverband Baden-Württemberg zum Modul Wildschaden als Referent gewinnen.

Erstellt am 24.09.2016

Im Gasthof zum Hasen in Dietingen besprach Knut Wälde die in der Rahmenausbildungsordnung des BDJV zum  Modul Wildbewirtschaftung II (Wildschaden) vorgegebenen Schwerpunkte:

  • Wildschäden erkennen, bewerten und vermeiden
  • Schadensanmeldung, Geltendmachung und Ersatzpflicht
  • Anerkennung zur Wildschadensschützerin / zum Wildschadensschützer

Zunächst besprach Knut Wälde die verschiedenen schadensersatzpflichtigen Pflanzenarten und deren Wachstumsansprüche. Dabei ging er ebenso auf Düngung, Vorfrucht und Fruchtfolge, Pflanzenkrankheiten und Entwicklungsstadien wie auf Hektar-Erträge und Marktpreise ein. Nicht jeder Wildschaden müsse ein Nachteil sein. Eine leichte Schädigung der keimenden Weizenkörner könne sogar zu einer verstärkten Bildung von Austrieben führen. Der Wildschadenschätzer muss zudem erkennen können, ob die Frucht uneingeschränkt vermarktungsfähig ist. Fusarien oder Mutterkorn können den Preis auf Null sinken lassen und damit auch die Höhe des Wildschadens.

 

Nicht jede Tierart macht bei derselben Pflanze denselben Schaden. Rehe im Raps sind meist problemlos; dieselbe Anzahl Damwild kann jedoch zu einem großflächigen Totalausfall der Ernte führen. Zudem sei eine Schadensschätzung im Raps nicht einfach; Raps verhakt sich schnell und reifer Raps fällt schnell aus sodass der Schaden, der beim Wildschadenschätzen entsteht den Wildschaden schnell erreichen kann. In diesem Fall helfen Drohnen, die den Schaden aus der Luft erkennen lassen.

 

Den Teilnehmern wurde schnell klar, dass es für einen Wildschadenschätzer unabdingbar ist, sich mit diesen Themen intensiv zu beschäftigen, um Schadensbilder im Feld richtig einschätzen zu können - denn nicht alles was sich als Schaden darstellt muss ein schadensersatzpflichtiger Wildschaden sein - und um zur richtigen Bewertung der Schadenshöhe zu kommen - denn nicht jeder Quadratmeter hat denselben Ertrag und nicht jeder Ertrag hat denselben Marktwert.

 

Eindrücklich waren die Zahlen, die Knut Wälde am Beispiel eines Schadens in einem Kartoffelacker errechnete. Bei einem angenommenen realistischen Hektarertrag von 400 Doppelzentnern (dt) und einem Marktpreis bei ab Hof Vermarktung von 35 Euro pro 100 kg kommt man schnell auf einen Schaden von 14.000 Euro pro ha. Dieser Preis sei um 10 bis 15 % zu korrigieren, da der Anteil kleiner und grüner Kartoffeln nur als Saufutter mit 8 Euro /dt anzusetzen sei.

Auf die Frage nach abweichenden Preisen für Energiepflanzen solle und dürfe es keinen Unterschied zwischen Futterpflanzen und Energiepflanzen geben, so Wälde.

 

Kurz gestreift wurden die Themen Schadensersatz im Grünland und hier besonders in FFH-Gebieten was zu erheblichen Kosten durch das teure hierfür vorgeschriebene Saatgut führen kann und die Wirksamkeit von Elektrozäunen bzw. deren Anerkennung als ausreichender Schutz bei Mais bzw. Sonderkulturen.

 

Ein Plädoyer von Knut Wälde war die Rückkehr zum alten Schlichtungsverfahren, das das JWMG gekippt hatte. Im JWMG ist klar geregelt wie und wann ein Wildschaden anzumelden ist. Wichtig sei, so Wälde, dass der Geschädigte den Wildschaden formell korrekt unter Angabe der Flurstücke und deren Größe und möglichst genauer Schilderung des Schadens bei der Gemeinde anmeldet. Nur auf dieser Basis lassen sich Gutachten Gerichts-fest erstellen. Klar ist aber, dass heute zuerst Parteigutachten erstellt werden und dass derjenige bezahlt, der den Wildschadenschätzer bestellt. In jedem Fall sei anzustreben, sich vorgerichtlich auf der Basis des Wildschadensgutachten zu einigen; der Weg zum Gericht muss die Ausnahme bleiben. In diesem Fall können die Gerichts- und neutralen Gutachterkosten den Wert des Wildschadens schnell übersteigen.

 

Ebenso klar wie die Wildschadensmeldung regelt des JWMG die Voraussetzungen zur Anerkennung von Wildschadensschätzern. Dabei sei aber der Trend, dass man sich als Wildschadensschätzer ein zusätzliches Einkommen generieren möchte mit Vorsichtig zu genießen; Wildschadensschätzer sollen neutrale, erfahrene Personen sein, die zum Wohle beider Parteien - geschädigte Landwirte auf der einen und ersatzpflichtige Jagdausübungsberechtigte / Pächter bzw. Jagdgenossenschaften auf der anderen Seite ihre Arbeit verrichten sollen.

 

Nach diesem theoretischen Teil führte der Weg zu einem Maisfeld, das bei der Anfahrt von außen betrachtet nichts Auffälliges erkennen ließ. Erst als man die ersten 10 bis 20 Reihen Maispflanzen hinter sich gelassen hatte war das Ausmaß des Wildschadens erkennbar. Das Maisfeld liegt zwischen einer vielbefahrenen Bundesstraße und einem sumpfigen Ried mit benachbartem Bannwald - ein Sauenparadies und schwer zu bejagen.

Zudem konnte noch ein Schaden durch den Biber erkannt werden; eine Tierart, die nicht schadensersatzpflichtig ist, für die es aber auch keine Ausgleichskasse gibt. Der Gesetzgeber lässt hier im Interesse des Naturschutzes bisher die Landwirte auf den Kosten sitzen - ein Eingreifen ist nicht gewollt.

 

Zurück zum Wildschaden im Mais: auf mehreren Quadratmetern muss wohl von einem Totalverlust ausgegangen werden wobei die Entsorgungskosten der niedergedrückten Maispflanzen ebenfalls einen wesentlichen Kostenfaktor darstellen werden. Ein Einarbeiten ist hier großflächig nicht ratsam, da dies zu Wachstumsstörungen bei der Fruchtfolge Weizen führen wird und Sauen im nächsten Jahr die untergearbeiteten Maiskolben ausgraben werden, was dem Landwirt bei einem Wildschaden im Folgejahr als Bewirtschaftungsfehler entgegengehalten werden würde.

 

Text und Fotos Hans-Ulrich Endreß

Zurück zur Übersicht