RMH 2017 Modul Jagdarten

Am 21. Januar 2017 fand in Ehrbach-Dellmensingen das letzte Modul für den Revierhegemeister Kurs 2015 / 2016 statt.
Das Thema war Jagdarten wobei drei Schwerpunkte besprochen wurden. Die Lockjagd auf Federwild, die Organisation und Durchführung von Gesellschaftsjagden und das Führen von Jagdgästen und die Bejagung von Kaninchen und Hasenartigen.

  • Die Referenten, Markus Laiblin (li.) Matias Richter (re.)

    Die Referenten, Markus Laiblin (li.) Matias Richter (re.)

Erstellt am 21.01.2017

1. Die Lockjagd auf Federwild

 

Markus Laiblin, dessen Revier in Dellmensingen liegt und wo er die Lockjagd auch ausübt, gab einen Überblick über das bejagbare Federwild. Schwerpunkte lagen dabei bei Enten und Gänsen aber auch bei der Aas- bzw. Rabenkrähe. Zunächst schilderte Markus Laiblin die Lebensgewohnheiten der bejagbaren Federwildarten und die Besonderheiten bei deren Bejagung. Nach seiner Meinung werden die Wildschäden durch Gänse in einiger Zeit die Schäden, die durch Schwarzwild entstehen übersteigen. Wenn 1000 Gänse auf einen Acker einfliegen, so sind die Schäden durch Fraß aber auch besonders durch Zertreten der auflaufenden Pflanzen durch die bis 4 kg schweren Graugänse oder bis 6 kg schwere Kanadagans enorm. Ein anderer Aspekt ist die Bejagung der Nilgans, die durch ihr aggressives Verhalten anderen Wasservögeln gegenüber vor allem deren Jungtiere die Population der heimischen Wasservögel verdrängen kann.

 

Besondere Bedeutung kommt bei der Lockjagd der guten Tarnung und der richtigen Aufstellung des Lockbildes zu. Bei der Bejagung von Rabenkrähe ist dabei ein abwechslungsreiches friedliches Lockbild wichtig; Wächtervögel gehören hier ebenso dazu wie die Wahl des richtigen Platzes mit gutem Abstand zu Hochspannungsleitungen und dichtem Baumbewuchs. Ein einzelner Baum oder Stapel von Heuballen sind für den Standort besonders geeignet. Gesicht, Hände und glänzende Teile an Waffen sind zu tarnen und farblich auffällige Schrotpatronen sind ebenso zu meiden wie das Abstellen der Fahrzeuge in Sichtentfernung der Rabenkrähe. Markus Laiblin stellte später in seinem Revier die Ansitzschirme mit deren Vor- und Nachteilen vor. 

 

Bei der Rabenkrähenbejagung kann auch mit einem feindlichen Lockbild gearbeitetet werden. Zu beachten ist dabei, dass die Rabenkrähen stets wachsam sind und schneller unterwegs sind als beim friedlichen Lockbild, das Sicherheit und Vertrautheit auch durch das Beistellen anderer Tierarten wie Graureiher oder Enten außerhalb des Zentrums des Lockbildes vortäuscht. Vorteil beim feindlichen Lockbild mit Fuchs oder Uhu im Zentrum ist, dass erlegte Rabenkrähen nicht aus dem Lockbild entfernt werden müssen, da dies der Situation entspricht. Anders beim friedlichen Lockbild: hier kann der Wind das helle Untergefieder und damit weiße Stellen, die überhaupt grundsätzlich zu vermeiden sind, sichtbar machen. So sind auch die beflockten Lockkrähen einzeln und sorgsam zu transportieren, um glänzende Stellen zu vermeiden; unbeflockte Lockvögel taugen zur Lockjagd wenig. Hier hilft ein billiger schwarzer Strumpf, den man dem Lockvogel überziehen kann.

 

Anders als die Krähen fliegen Enten und Gänse immer mit dem Wind ein. So sind die Positionierung der Schützen bei der Enten- oder Gänsejagd und die richtige Aufstellung des Lockbildes besonders wichtig. Bei sich ändernden Windverhältnissen sei die Aufstellung des Lockbildes in X-Form mit den Schützen im Schnittpunkt besonders geeignet, um auf andere Windrichtungen zu reagieren. Auch hierzu stellte Markus Laiblin die liegende „Ansitz“möglichkeit in einem bequemen Liegesack vor.

 

2. Die Organisation und Durchführung von Gesellschaftsjagden und das Führen von Jagdgästen

 

Hier sei im Besonderen auf die Unfallverhütungsvorschift Jagd (VSG 4.4), die Empfehlungen zur Bewegungsjagd des LJV Baden-Württemberg, und die Broschüre „Jagd“ der Berufsgenossenschaft aus der Schriftenreihe „Aktuelles zu Sicherheit und Gesundheitsschutz“ verwiesen.

 

3. Die Bejagung von Kaninchen und Hasenartigen

 

Aus dem hessischen Jagdaufseherverband kam Matias Richter, um über die verschiedenen Jagdarten auf das Kaninchen (und den Feldhasen) zu berichten. Möglichkeiten sind dabei je nach Revier und Wetterlage die Stöberjagd, die Ansitzjagd, oder Frettieren, Beizen und die Fallenjagd - häufig auch in Kombination wenn Frettchen, Greif und Hund das gemeinsam beherrschen.

 

Um die Jagd auf das Kaninchen richtig auszuüben, so Matias Richter, sind sehr gute Kenntnisse der Lebensweise der Kaninchen notwendig. Diesem Thema widmete sich Matias Richter sehr ausführlich und schilderte Herkunft und heutige Verbreitungsgebiete, bevorzugte Lebensräume, Körperbau, Verhalten, Sinne, Parasiten und Krankheiten der Kaninchen. Besonders wichtig für die  Bejagung ist die Kenntnis der Lage und des Aufbaus der Kaninchenbaue und der Streifgebiete. An sonnigen, trockenen Tagen lohne sich die Drückjagd wogegen sich an trüben, feuchten tagen eher das Frettieren empfiehlt, da sich die Kaninchen dann bevorzugt in ihren Bauen aufhalten. Abschließend beschrieb Matias Richter noch die Fangmöglichkeiten mit Fangkörben oder Netzen im Rahmen der Baujagd mit dem Frettchen.

 

Damit ist das Angebot der Module für den aktuellen Kurs im Rahmen der Ausbildungsordnung für den Revierhegemeister nach BDJV beendet. Am 04. März werden die Teilnehmer am Revierhegemeister Kurs 2015 / 2016 ihre Seminararbeiten noch öffentlich vorstellen. Die Ernennung zum Revierhegemeister ist dann bei Teilnahme an allen Modulen im Rahmen der Mitgliederversammlung des JNWV-BW am 25. März 2017.

 

Der neue Kurs beginnt am 08. April mit dem Modul Jagdrecht.

 

Bei Interesse an der Seminarveranstaltung oder am Kurs zum Revierhegemeister wenden sie sich bitte an die Ausbildungsleitung ausbildung(at)wildtierschützer-bw.de

 

Text und Fotos: Hans-Ulrich Endreß

 

 

 

 

 

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